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InterviewWann ist ein Demenz-Screening sinnvoll?

Prof. Erika Baum erklärt, wann es Sinn macht, in der Hausarztpraxis auf Demenz zu untersuchen. Wichtig ist es ihr zufolge vor allem, die Motivation hinter einem Testwunsch zu klären.

Bei Verdacht auf eine Demenzerkrankung gilt es sensibel vorzugehen.

Bei welchen Menschen, die in die Hausarztpraxis kommen, ist ein Demenz-Test sinnvoll?  

Prof. Erika Baum: Bei unerklärlichen Aussetzern oder Gedächtnislücken. Wenn man selbst oder andere vermuten, dass etwas nicht stimmt, weil zum Beispiel Termine wiederholt nicht eingehalten oder wichtige Dinge vergessen werden. Und natürlich dann, wenn es Hinweise auf Selbst- oder Fremdgefährdung gibt, etwa die Verkehrstüchtigkeit betreffend. Wir Hausärztinnen und Hausärzte haben den Vorteil, dass wir die Menschen und ihr Umfeld oft schon lange kennen und uns Veränderungen daher auffallen. Auch MFA können wichtige Hinweise liefern.

Wie spricht man das Thema am besten an?

Es gilt, sensibel vorzugehen und erstmal vorsichtig nachzufassen. Eine mögliche Formulierung bei den gerade genannten Szenarien wäre etwa: „Wir werden nicht jünger, aber es gibt viele Dinge zu regeln. Sollen wir mal prüfen, ob es bei Ihnen Hinweise für nachlassende Gedächtnisfunktionen gibt, die zu Problemen führen könnten?“

Und wenn bisher asymptomatische Menschen ein Screening wünschen?

In diesem Fall ist es wichtig, nachzufragen, welche Motivation dahintersteckt. Dann können wir die dabei aufgedeckten Fragen und Probleme besprechen und gemeinsam mit dem Patienten oder der Patientin entscheiden, ob ein Test sinnvoll erscheint.

Zum Beispiel stehen bei manchen Menschen größere Entscheidungen an, die noch längere Zeit gute kognitive Funktion erfordern – etwa ein Hausbau oder Umzug – und sie möchten sich rückversichern, dass sie dazu noch in der Lage sind. Dann finde ich es absolut in Ordnung, auf Demenz zu testen, weil ich weiß, dass es sich die betreffende Person gut überlegt hat.

Wünscht sich jemand aber wegen der neuen medikamentösen Optionen ein Screening, dann sollte dies nur nach intensiver Aufklärung über mögliche Konsequenzen und Risiken stattfinden. Dasselbe gilt bei familiärer Häufung von Demenzerkrankungen. Denn eine Testung kann auch zu kritischen Situationen führen, in denen psychische Belastung, Verunsicherung und evtl. sogar Suizidgedanken auftreten. Deshalb sollten wir genau hinschauen und eruieren, wie wichtig die Testung dem Patienten oder der Patientin ist und ob jetzt (schon) der richtige Zeitpunkt dafür ist.

Was raten Sie Patientinnen und Patienten, die sich (vorerst) gegen eine Testung entscheiden?

Maßnahmen wie eine frühzeitige Vorsorgevollmacht kann man unabhängig vom Demenzrisiko empfehlen. Dasselbe gilt für die allgemeinen Präventionsmaßnahmen, die ja größtenteils auch für die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen relevant sind. Ich habe im Rahmen des Check-ups außerdem immer einen kleinen Hörtest gemacht, weil Schwerhörigkeit die Demenzentwicklung ungünstig beeinflusst – auch das aber völlig unabhängig davon, ob ein erhöhtes Demenzrisiko bekannt war oder nicht.

Welchen Test empfehlen Sie für das hausärztliche Setting?

Am besten eignet sich der MoCA-Test (s. Infobox); dieser weist für frühere Erkrankungsstadien eine höhere Sensitivität auf als der MMST.

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