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Serie "Cochrane-Evidenz für die Hausarztpraxis"Antibiotika bei akuter Rhinosinusitis?

Im klinischen Alltag wird die akute Rhinosinusitis oft reflexartig als bakterielle Infektion interpretiert. Ein Cochrane-Review hat den Effekt einer antibiotischen Therapie untersucht.

Eine akute Rhinosinusitis ist in der Mehrzahl der Fälle viral bedingt und heilt spontan ab.

Gesichtsschmerzen, nasale Obstruktion und eitriger Schnupfen gehören zu den häufigsten Beratungsanlässen in der hausärztlichen Praxis. Liegt eine akute Rhinosinusitis (also eine Entzündung der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut)zugrunde, ist diese in der Mehrzahl der Fälle viral bedingt und heilt spontan ab.

Im klinischen Alltag wird die akute Rhinosinusitis dennoch oft reflexartig als bakterielle Infektion interpretiert, was nicht selten zu einer raschen Verordnung von Antibiotika führt. Ähnlich wie bei der unkomplizierten Divertikulitis zeigt die aktuelle Evidenz jedoch, dass wir diesen therapeutischen Automatismus kritisch hinterfragen sollten.

Ein Cochrane-Review [1] untersuchte hierzu systematisch den Effekt einer antibiotischen Therapie bei akuter Rhinosinusitis im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung.

Fazit für die Hausarztpraxis

Die Ergebnisse des Cochrane-Reviews zeigen, dass die routinemäßige Antibiotikagabe bei unkomplizierter akuter Rhinosinusitis nur einen geringen klinischen Zusatznutzen bietet. Zwar verkürzen Antibiotika die Zeit bis zur klinischen Besserung geringfügig, der absolute Effekt ist jedoch klein. Demgegenüber treten Nebenwirkungen deutlich häufiger auf.

Für die hausärztliche Praxis bedeutet dies, dass bei unkomplizierten Verläufen ein abwartendes Vorgehen mit symptomatischer Therapie in der Regel medizinisch sicher ist. Eine offene Kommunikation über den begrenzten Nutzen von Antibiotika kann helfen, Erwartungen zu klären und unnötige Verordnungen zu vermeiden. Die Darstellung von NNT und NNH (s. Kasten) kann hierbei ein hilfreiches Instrument im Shared Decision Making sein.

Eine antibiotische Therapie sollte schweren Verläufen vorbehalten bleiben, etwa bei hohem Fieber, ausgeprägten Schmerzen oder einer sekundären klinischen Verschlechterung nach initialer Besserung (“double sickening”). Ein zurückhaltender Einsatz von Antibiotika trägt zudem dazu bei, die Entwicklung antimikrobieller Resistenzen zu begrenzen.

Zudem sollte beachtet werden, dass (falls indiziert) eine leitliniengerechte antibiotische Therapie durchgeführt wird und keine Substanzen regelhaft zum Einsatz kommen, die weniger gut zur Behandlung geeignet sind. Aktuell ist primär Amoxicillin empfohlen, alternativ Amoxicillin/Clavulansäure oder Azithromycin. Cephalosporine sollten auf keinen Fall verwendet werden.

Interessenkonflikte: Die Autorin und der Autor sind die Verfasser des Buchs “Evidenz für die Hausarztpraxis”.

Literatur:

  1. Lemiengre MB, van Driel ML, Merenstein D, Liira H, Mäkelä M, De Sutter AIM. Antibiotics for acute rhinosinusitis in adults. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018, Issue 9. Art. No.: CD006089. doi: 10.1002/14651858.CD006089.pub5
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