Kommentar Dr. Burkhard Strauß, Mitglied des Forums Weiterbildung im Hausärztinnen- und Hausärzteverband:
Der inflammatorische Rand des malignen Melanoms war eigentlich schon zum Zeitpunkt des Hautkrebsscreenings in der Praxis markant zu sehen.
Ich hatte Herrn M geraten, dass wir dies besser weiter abklären lassen sollten. Doch Herr M versicherte mir damals glaubhaft, der Fleck sei “schon immer da”. In der Akte notierte ich, dass es zeitnah einen Kontrolltermin geben sollte, denn Herr M ist nicht gerade ein Arztgänger.
Aus diesem Fall habe ich zwei Lehren für mich gezogen:
- Gerade bei Menschen, die selbst kein ausgeprägtes Körperbewusstsein haben oder den Gang in die Praxis eher scheuen (“es wird schon gut gehen”), müssen wir ärztlich besonders gut beobachten und Kontrolltermine setzen. Eine baldige Wiedereinbestellung ist bei uns hausärztlich oft besser möglich als bei Spezialisten, die weiter weg und häufig ausgebucht sind, diese Chance sollten wir nutzen. Wenn wir gefährliche Befunde erheben, sollten wir gerade bei bagatellisierenden Patienten den Recall nutzen und auch Angehörige einbeziehen.
- Laien können nicht gut einschätzen, wie lange Hautflecken bereits vorhanden sind. Im Zweifel sind Fotodokumentationen mit zeitnaher Befundkontrolle häufig sehr hilfreich, auch um zu überzeugen.
Kommentar Dr. Christian Fleischhauer, Weiterbilder und Vorstandsmitglied im Hausärztinnen- und Hausärzteverband Thüringen:
Gerade für ÄiW ist es wichtig, bei unklaren oder fraglichen Befunden immer Rücksprache mit ihrem Weiterbilder oder -bilderin zu halten. Sollten diese nicht direkt ansprechbar sein, könnten in diesem Fall auch Fotos gemacht werden. Bei kritischen Fällen hole ich mir auch Rat, etwa bei Spezialisten. Fällt im Nachhinein dennoch ein Fehler auf, kann man die Last “teilen”.
Bei uns in der Praxis machen wir einmal im Monat eine Teambesprechung. Dabei ist immer der erste Punkt das Fehlermanagement. Dabei ist es wichtig, dass jeder sich traut zu benennen, was aufgefallen ist. Es braucht also eine offene Grundhaltung und das gemeinsame Ziel, dass alle zusammen die Versorgung dadurch verbessern wollen. Tipp: Viele gute Anregungen für die eigene Praxis habe ich aus den Fehler-Lernplattformen CIRS medical oder “Jeder Fehler zählt” mitgenommen.
Natürlich kennt man als Hausarzt seine Patienten sehr gut und weiß, wer nur selten kommt und zum Beispiel Früherkennungsuntersuchungen eher meidet. Solche Personen wie Herrn M markieren wir in unserer Praxissoftware in der Kommentarfunktion: Meine Mitarbeiterinnen wissen dann, dass sie etwa den Impftermin des Patienten im Praxiskalender direkt mit meinem Arztkalender koppeln sollen.
Kommt Herr M dann zum Termin, wird er direkt ins Sprechzimmer gesetzt. Die Impfung mache ich selbst und währenddessen spreche ich eher beiläufig andere Themen an, so etwa “Sie müssen für die Impfung eh den Arm frei machen. Soll ich Ihre Haut da mal eben mit anschauen?”
