Das sich am politischen Horizont abzeichnende hausärztliche Primärversorgungssystem wird ein Delegationsmodell in kooperativen Praxisstrukturen sein. Die hausärztliche Versorgung lebt schon lange von verlässlichen, eingespielten Teams, was man beim 1. PCM-Kongress Anfang März in Münster (s. Fotos) erleben konnte.
PCM und VERAH entlasten
Die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH) übernimmt seit Jahren verantwortungsvoll delegierte Aufgaben, schafft Freiräume für ärztliche Tätigkeit und trägt maßgeblich zur Stabilität der Versorgung bei. Seit 2023 können VERAH eine akademische nichtärztliche Qualifikation für die hausärztlichen Praxen erwerben: das Bachelor-Studium Primary Care Management (PCM).
Heute steht es einer immer größer werdenden Gruppe von ambitionierten Teammitgliedern offen, die unter anderem – aber nicht nur – in hausärztlichen Kooperationsmodellen wie HÄPPI medizinische und organisatorische Funktionen übernehmen.
Nach wie vor gilt die ärztliche Letzt-Verantwortung, und die Delegation geht Hand in Hand mit den Pflichten für Hausärztinnen und Hausärzte bei der Übertragung von medizinischen Leistungen. Dazu gehören die Auswahl-, Anleitungs- und Überwachungspflicht. Danach sind die Angestellten gemäß ihrer Qualifikation und persönlichen Eignung auszuwählen, sie anzuleiten und die Ausführung zu überprüfen.
Das bundesweit einheitliche PCM-Studium macht es möglich, die formale Qualifikation als Basis für die Auswahl heranzuziehen. Die Studierenden nehmen seit Jahren zu und haben im Wintersemester 2025/2026 einen Spitzenwert von 195 Anmeldungen erreicht. Zudem findet diese Gruppe an hochqualifizierten hausärztlichen Teammitgliedern zunehmend eine eigene Identität und organisiert sich.
Der 2025 gegründete PCM-Bundesverein (PCM-BV) soll das Berufsbild weiterentwickeln und Fortbildungs- und Unterstützungsangebote erarbeiten. Erfreulicherweise hat der PCM-BV schon sehr früh eine enge Kooperation mit dem Hausärztinnen- und Hausärzteverband gesucht. Das gemeinsame Ziel ist es, die steigenden Versorgungsanforderungen, die an hausärztliche Praxen gestellt werden, gemeinsam zu schultern.
Verbände arbeiten Hand in Hand
Der 1. PCM-Kongress war ein gutes Beispiel für eine gelingende Zusammenarbeit. Alle Fortbildungen bezogen sich auf Anforderungen in den hausärztlichen Praxen. EKG-Auswertungen, die wichtigsten Medikamente in der Hausarztpraxis, TISS (teamgestützte Infektsprechstunde) oder Ultraschallkurse sind Themen, bei denen PCM eigenständig delegierte medizinische Aufgaben übernehmen können.
Organisiert wurde dieser sehr gelungene Kongress vom Institut für hausärztliche Fortbildung (IHF). Auch die Abendveranstaltung, bei der die Vorsitzenden des PCM-BV Desiree Reitmeier und Andrea Schreiter die Ziele des Vereins dargelegt haben, zeigt, dass hier eine Berufsgruppe im Aufbruch ist und mit dem Hausärztinnen- und Hausärzteverband auch zukünftig ein starker Partner zur Verfügung steht.
