Medikamente auf Cannabis-Basis helfen bei Neuropathien möglicherweise nicht oder nur wenigen Menschen, verursachen aber womöglich oft unerwünschte Wirkungen. Das zeigt ein aktualisierter Cochrane Review. Die Studienlage sei derzeit unbefriedigend, kritisieren die Forschenden.
Für das Review werteten sie 21 randomisierte Studien mit 2.187 Erwachsenen aus. Die Teilnehmenden erhielten Cannabis-basierte Präparate oder Placebo über Zeiträume von zwei bis 26 Wochen. Nur vier Studien erfüllten die Empfehlung der EU-Arzneimittelbehörde EMA von mindestens zwölf Wochen Laufzeit.
Untersucht wurden folgende Wirkstoffgruppen: 1. Präparate mit überwiegend THC, 2. Präparate mit überwiegend CBD und 3. Kombinationspräparate mit THC und CBD. In einer Studie wurde der Dampf von erhitztem pflanzlichem Cannabis eingeatmet, in den übrigen Studien kamen ein Mundspray mit definierten THC-/CBD-Mengen pro Hub, Präparate zum Schlucken sowie Cremes oder Pflaster zum Einsatz.
Über alle Wirkstoffgruppen hinweg fand das Cochrane-Team keine verlässlichen Belege, dass Cannabis-haltige Arzneien neuropathische Schmerzen besser lindern als Placebo. Vielmehr zeigten sich Signale für Verträglichkeitsprobleme.
So berichteten Patienten mit THC/CBD-Kombipräparaten von deutlich mehr unerwünschten Wirkungen auf das Nervensystem (Schwindel, Schläfrigkeit, Konzentrationsstörungen) als bei Placebo. Insgesamt traten sie bei rund zwei Drittel in den THC/CBD-Gruppen versus rund einem Viertel unter Placebo auf.
red
Quelle: doi 10.1002/14651858.CD012182.pub3
