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Telefonische KrankschreibungTelefon-AU: Eine echte Entlastung im Praxisalltag

Die Telefon-AU hat zuletzt für heftige Diskussionen gesorgt. Dabei bringt sie gerade in Infektzeiten nachweislich Entlastung, das belegen zahlreiche Stimmen aus der Praxis. Hausärztinnen und Hausärzte berichten, wann sie die Telefon-AU nutzen – und wann nicht. Plus: Wann ist welche AU-Form die richtige?

Seit der Corona-Pandemie besteht für Hausärzte die Möglichkeit, bekannten Patienten eine telefonische AU auszustellen.

Als ihre Patientin mit Symptomen einer Atemwegsinfektion anruft, ist die Sachlage für Dr. Barbara Römer schnell klar. Denn nur zwei Tage zuvor hatte der Ehemann der Patientin in ihrer Praxis gesessen, mit eben diesen Symptomen.

Die Hausärztin schreibt ihre Patientin an dem Mittwoch also bis Ende der Woche krank – und zwar telefonisch. “Zusätzlich weisen wir immer darauf hin, dass sich die Patientin bei einer Verschlechterung der Symptome sofort in der Praxis melden soll, und vermerken das in der Patientenakte.”

Die leicht zeitversetzte Behandlung von Paaren ist ein Szenario, das in den Wintermonaten häufig vorkommt, berichtet Römer. Ein weiteres Beispiel aus der Praxis: “Ein junger Mann wird am Montag mit einem heftigen Magen-Darm-Infekt in der Praxis vorstellig, nach einem Höhepunkt der Symptome am Sonntag”, teilt Hausärztin Dr. Sandra Blumenthal einen Fall aus ihrer Berliner Praxis.

Sie schreibt ihn zunächst bis Dienstag krank und bittet ihn, bei weiter anhaltenden Beschwerden noch einmal anzurufen und die AU telefonisch zu verlängern. “So kann ich nicht nur die AU so kurz wie nötig halten, sondern auch eine unter medizinischen Aspekten sinnlose Wiedervorstellung vermeiden.”

Zwischen den Praxen der beiden Hausärztinnen liegen rund 600 Kilometer. Ihre Strukturen könnten kaum unterschiedlicher sein: Während Römer in einer Gemeinschaftspraxis mit sechs Kolleginnen und Kollegen im rheinland-pfälzischen Saulheim mit rund 8.000 Einwohnern tätig ist, ist Blumenthal in einer Einzelpraxis in der Hauptstadt niedergelassen. Die Telefon-AU ist jedoch für beide gleichermaßen Entlastung.

Einigkeit unter Ärzten und Kassen

Seit der Corona-Pandemie besteht für Hausärztinnen und Hausärzte die Möglichkeit, ihnen bekannten Patienten telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auszustellen (kurz Telefon-AU).

Die Möglichkeit war 2021 zunächst temporär geschaffen und wiederholt verlängert worden, der frühere Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD) etablierte sie schließlich dauerhaft. Hierfür hatte sich unter anderem der Hausärztinnen- und Hausärzteverband (HÄV) starkgemacht – aber nicht nur: Auch DAK-Chef Dr. Andreas Storm und andere Kassenvertreter etwa hatten sich explizit für die dauerhafte Telefon-AU ausgesprochen.

Wichtig in der Praxis: Die Telefon-AU ist keine Pflicht! Es liegt im Ermessen der Praxis, ob Telefon-AU ausgestellt werden.

Dass die Telefon-AU bedeutende Vorteile bringen kann, zeigen nicht nur verschiedene Erhebungen ärztlicher Verbände, sondern auch eine stichprobenartige Umfrage der Redaktion von “Hausärztliche Praxis”. Genannt werden dabei vor allem Entlastung für Ärzte und ihre Teams, das Vermeiden unnötiger Ansteckungsrisiken und eine niedrigschwellige medizinische Versorgung – gerade in Zeiten hoher Infektlasten und angespannter Personaldecken.

Dabei machen die telefonischen Krankschreibungen keineswegs den Großteil der AU aus. Im Gegenteil: Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zufolge machen sie nur 0,8 bis 1,2 Prozent der jährlich etwa 116 Millionen AU-Bescheinigungen aus. [1, 2] Doch gerade in Infektzeiten sind sie ein wichtiges Werkzeug im Praxisalltag.

Heftiges Medienecho angestoßen

An die Vorteile erinnerten jüngst auch verschiedene Kassenärztliche Vereinigungen (KV). Die KV Berlin etwa sprach sich explizit für die “bewährte Maßnahme zum Bürokratieabbau” aus. Die KV Bayerns unterstrich zudem, dass die Telefon-AU “der Versorgungsrealität in den Praxen Rechnung [trage]” und einen wichtigen Schritt zur Vermeidung von Infektionsrisiken beitrage.

Die KVen stemmen sich damit deutlich gegen ihre Spitze. Denn Dr. Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), hatte sich im Januar Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angeschlossen und die Abschaffung der Telefon-AU gefordert – um den Fehlzeiten der deutschen Arbeitnehmer den Kampf anzusagen.

Dass bei Redaktionsschluss Anfang Februar damit die Aussage von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) im Raum stand, die Telefon-AU “auf den Prüfstand” zu stellen, stößt auf breites Unverständnis. Denn seit Langem zeigen verschiedene Erhebungen, dass die Telefon-AU in keiner Verbindung zur hohen Zahl der Fehltage in Deutschland steht.

Hierauf weisen nicht nur ärztliche Verbände, sondern wiederholt auch die Krankenkassen hin. So hatte eine Studie der DAK von Anfang 2025 beispielsweise ergeben, dass Treiber für zusätzliche Fehltage unter anderem Atemwegserkrankungen seien. Bei der Telefon-AU sah die DAK-Studie hingegen “keinerlei Anzeichen für einen systematischen Missbrauch”. [3]

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) waren Arbeitnehmer in Deutschland im Jahr 2024 durchschnittlich 14,8 Arbeitstage krankgemeldet – ein Anstieg um 3,6 Krankheitstage im Vergleich zu 2021 [4]. Destatis selbst führt die Zunahme unter anderem auf die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Anfang 2022 zurück. Damit würden die Krankmeldungen genauer erfasst, hieß es. Sprich: Die Krankheitstage sind auf dem Papier zwar gestiegen – aber nur, weil sie vorher nicht automatisch gemeldet wurden.

Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, erinnert zudem an die Bedeutung der Langzeitkrankschreibungen vor allem infolge psychischer Erkrankungen. “Sie machen fast 45 Prozent der Fehlzeiten aus”, unterstreicht er. “Das ist ein gesellschaftliches Problem.”

Beier erinnert zusätzlich an weitere statistische Effekte: “Nicht alle Länder erfassen ihre Krankenstände so lückenlos wie Deutschland.” Außerdem seien am deutschen Arbeitsmarkt mehr ältere Menschen als in anderen Ländern beschäftigt.

Trotz der vorhandenen Erhebungen hält die Telefon-AU in regelmäßigen Abständen als Sündenbock hin. Dass “faktenfrei Stimmung” gegen sie gemacht wird, beobachtet Beier aktuell erneut.

Die KV Nordrhein hat die Debatte vor diesem Hintergrund im Januar als “Phantom-Diskussion” bezeichnet.

Hausärzte kennen ihre Patienten

Auch die Rückmeldungen aus den Praxen zeigen, dass die Telefon-AU keinesfalls missbräuchlich genutzt wird. “Ich habe nicht den Eindruck, dass meine Patienten das ausnutzen”, sagt Dr. Karin Harre, Hausärztin in Brandenburg. “Es ist eher so, dass ich bei manchen Patienten, die in die Praxis kommen, denke: Das hätten wir auch telefonisch machen können.”

Auch für Dr. Jens Lassen entzündet sich die Diskussion aktuell an einem Punkt, “den wir Praxen ohnehin schon kontrollieren”. Denn: Kommen zu viele Anfragen für Telefon-AU durch einzelne Patienten, würden diese ohnehin einbestellt, berichtet er aus seinem großen Hausarztzentrum in Nordfriesland, in dem insgesamt acht Kolleginnen und Kollegen tätig sind.

Dass die Telefon-AU nur bei bekannten Patienten zum Einsatz kommen darf, stützt dieses Vorgehen. “Wir kennen unsere Patienten”, bringt es Beier auf den Punkt.

Römer und Blumenthal erinnern unterdessen an “Red Flags” bei der Telefon-AU (s. Kasten unten). “Gerade in Phasen wie der aktuellen Influenzawelle kommt es immer wieder vor, dass ich Patientinnen und Patienten einbestellen oder auch zuhause aufsuchen muss, weil es Hinweise auf einen abwendbar gefährlichen Verlauf am Telefon gibt”, sagt Blumenthal.

Fallbeispiel aus der Praxis: Blumenthal berichtet von einer jungen Frau, die sich an einem Freitag am dritten Tag ihrer Krankschreibung mit anhaltend hohem Fieber meldete. Die Patientin war als Mensch bekannt, der nicht leichtfertig die Sprechstunde aufsucht. Sofort fielen am Telefon Kurzatmigkeit und hohe Atemfrequenz auf. Bei der persönlichen Vorstellung im Anschluss war sofort klar, dass es sich um eine Pneumonie handelte.

Tipp: Team für “Red Flags” schulen

Dr. Barbara Römer hat mit dem Praxisteam Fälle abgestimmt, bei denen eine telefonische AU grundsätzlich ausgeschlossen ist. Dies ist auch im QM-Ordner hinterlegt und das Praxisteam wird hierzu regelmäßig geschult. “Das Prozedere wird im Kontext unserer wöchentlichen Teamsitzungen mit Einzelfallbesprechungen schon aus Gründen der Qualitätssicherung auch immer wieder aufgefrischt”, so Römer.

So stemmen sich nicht nur Hausärztinnen und Hausärzte aus der Praxis sowie ärztliche Verbände, sondern auch Politiker – und zwar nicht nur der Opposition, sondern auch aus der großen Koalition – gegen die zuletzt im Raum stehende Forderung von Kanzler Merz.

“Keine Belege für Missbrauch”

“Die Fakten sind eindeutig: Es gibt keine belastbaren Belege für systematischen Missbrauch der telefonischen AU”, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, im Januar und verwies auf entsprechende Abrechnungsdaten.

Was in der aktuellen Diskussion übrigens völlig ausgeklammert wird: Erste Zahlen – unter anderem der Techniker Krankenkasse (TK) – weisen darauf hin, dass die Zahl der Fehltage 2025 wieder rückläufig gewesen sein könnte [5]. Auch einzelne große Unternehmen meldeten dies zuletzt.

Fazit

  • Die Möglichkeit der Telefon-AU bedeutet für Hausarztpraxen eine echte Entlastung. Das belegen sowohl Rückmeldungen aus Praxen verschiedener Größen und Standorte als auch systematische Erhebungen.
  • Wichtig in der Praxis: Ärztinnen und Ärzte können von der Möglichkeit bei bekannten Patienten Gebrauch machen, müssen dies aber nicht! Die Telefon-AU ist keine Pflicht. Umfragen zeigen, dass die Telefon-AU durch Hausärztinnen und Hausärzte mit großer Sorgfalt eingesetzt wird.
  • Die kursierenden Vorwürfe, Versicherte könnten die Telefon-AU missbrauchen und die Telefon-AU die Zahl der Krankheitstage ingesamt steigern, sind beide nicht belegt. Im Gegenteil: Mit rund 1 Prozent Anteil an allen Krankschreibungen fällt die Telefon-AU nur wenig ins Gewicht.

Quellen

  1. Zi insights, „Krankmeldungen im Fokus – Was sagen Daten, was denkt die Praxis über die Tele-AU?“, 1. Oktober 2025, Mitschnitt des Livestreams sowie Pressemitteilung, zuletzt abgerufen am 11.2.2026 
  2. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), „Vorschläge zur Entbürokratisierung“, 26.11.2025, zuletzt abgerufen am 11.2.2026 
  3. DAK-Gesundheit und IGES Institut, „Gesundheitsreport 2025: Vertiefungsanalye zur Krankenstandsentwicklung“, 7.1.2025, zuletzt abgerufen am 11.2.2026 
  4. Destatis, „Krankenstand“, zuletzt abgerufen am 11.2.2026 
  5. Deutsches Ärzteblatt, „Zahl der Krankschreibungen geht leicht zurück“, 15.12.2025, zuletzt abgerufen am 11.2.2026 
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