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MeinungNeue Meningokokken-Impfempfehlung: Prinzip Hoffnung

Seit Kurzem empfiehlt die STIKO eine Meningokokken-Impfung gegen die Serotypen A, C, W und Y für alle 12- bis 14-Jährigen. Gleichzeitig entfällt die bisherige Standardimpfempfehlung gegen Meningokokken C für Kleinkinder. Hausarzt Dr. Wolfgang Schneider-Rathert gibt eine Einschätzung für die Hausarztpraxis.

Ziel der neuen Impfempfehlung ist die Reduktion der invasiven Erkrankungen durch Men ACWY.

Die ehrenamtlichen STIKO-Mitglieder haben es nicht einfach im Spannungsfeld zwischen öffentlicher Erwartung und gleichzeitig fehlender Evidenz zur Meningokokkenimpfung. Würden Sie nicht auch gerne die gefürchteten schweren Verläufe einer invasiven Meningokokken-Erkrankung (IME) verhindern?

Ob mit der aktuellen Empfehlung überhaupt Meningokokken-Erkrankungen werden können, ist aber nicht ausreichend gesichert: „Eine MenACWY-Impfung könnte einen hohen Schutz gegen ACWY-IME bieten, die Evidenz ist jedoch sehr unsicher“, schreibt die STIKO. Und ob schwere Verläufe (Intensivstation, Folgeschäden oder Tod) durch die Impfung verhindert werden können, ist sogar völlig offen: „Der Endpunkt wurde in keiner der identifizierten Studien berichtet.“

Woran liegt das? IME sind glücklicherweise sehr, sehr selten. Jährlich erkranken hier zu Lande rund 300 Menschen an invasiven Meningokokken, circa jeder 10. stirbt.

Erkrankungen mit den von der Empfehlung abgedeckten Serotypen ACWY traten in den Jahren 2023 und 2024 bei den 10-29 jährigen jeweils rund 30 Mal auf, leider mit je 4 Todesfällen (s. Tabelle unten). Aber: In einer Bevölkerungskohorte von schätzungsweise 15 Millionen Menschen. Studien müssten also viele Millionen Teilnehmer über Jahre untersuchen, um signifikante Effekte auf schwere Verläufe und Tod zeigen zu können.

In diesem Spannungsfeld hat sich die STIKO für das Prinzip Hoffnung entschieden. Mit immensen Folgekosten. Dringend benötigtes Geld, das an anderer Stelle im Gesundheitswesen fehlt. Eine Berechnung der STIKO ergab, dass man 51.000 Impfungen benötigt, um eine Erkrankung (nicht Tod!) zu verhindern [1]. Das wären rund dreieinhalb Millionen Euro (bei 70 € Kosten der Impfung incl. Arzthonorare).

Zum Vergleich: eine verhinderte Masernerkrankung kostet unter 150 €. Es ist dringend erforderlich, dass die STIKO endlich beauftragt wird, auch solche gesundheitsökonomisch-ethischen Überlegungen in ihre Entscheidungen einfließen zu lassen.

Andere Länder priorisieren deshalb anders: in Dänemark, Norwegen und Schweden sowie weiteren sechs europäischen Ländern gibt es überhaupt keine Empfehlung, gegen Meningokokken zu impfen [2]. Nicht für Säuglinge, Kinder und Jugendliche oder Erwachsene, nicht gegen Meningokokken B, C und auch nicht gegen ACWY.

Quellen:

1. Epid Bull 44/25

2. Impfpläne für Meningokokken der europäischen Länder, ECDC

Hinweis: Herr Dr. Schneider-Rathert ist Mitglied der Sektion Prävention der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM). Seine Kommentare geben seine persönliche Einschätzung wieder. Diese persönliche Einschätzung entsteht im ständigen Austausch mit den hausärztlichen STIKO-Mitgliedern und der Sektion.

Mögliche Interessenskonflikte: Keine in Bezug zum Thema Impfen; Mitglied bei MEZIS, Programmierer des CGM Medistar Abrechnungs-Coach

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