Hiermit loggen Sie sich bei DocCheck aus.
Abbrechen

StudienergebnisseMehr Jüngere mit Darmkrebs in Deutschland – Anstieg aber unter US-Niveau

Studiendaten aus den USA zu Darmkrebsfällen bei Jüngeren ließen Schlimmes befürchten. Daten aus Deutschland zeigen nun: Die Zahl der Darmkrebsfälle bei jüngeren Menschen steigt zwar auch hier - für eine Absenkung des Screening-Alters sehen Expertinnen und Experten aber keinen ausreichenden Grund.

Von 56.200 Darmkrebs-Fällen (inkl. Appendix-Ca) pro Jahr waren zwischen 2021 und 2023 hierzulande nur 5,4 Prozent früh auftretende.

Nürnberg/Bochum. Auch in Deutschland steigt aktuellen Daten zufolge die Zahl der Darmkrebsfälle bei jüngeren Menschen – aber weniger deutlich als in den USA. Betroffen ist vor allem die Gruppe der 20- bis 39-Jährigen und darunter die 20- bis 29-Jährigen, wie ein Forschungsteam im Fachmagazin “International Journal of Cancer” berichtet.

Ein Großteil des Anstiegs entfalle auf Formen mit vergleichsweise guter Prognose wie kleine oder weniger aggressive Tumore. Eine mögliche Senkung des Alters für das Darmkrebs-Screening – aktuell ab 50 Jahren – erscheine derzeit nicht gerechtfertigt.

Experten wie Prof. Thomas Seufferlein vom Universitätsklinikum Ulm, die selbst nicht an der Auswertung beteiligt waren, schließen sich dieser Einschätzung an. “Wir müssen allerdings die Daten im Blick behalten, um Screeningprogramme rechtzeitig anzupassen.”

Auch Privatdozent Dr. Christian Pox vom St. Joseph-Stift Bremen hält eine Änderung derzeit für unnötig und warnt vor einer verringerten Effektivität des Programms bei gleichzeitig höheren Kosten. “Ein viel größerer Effekt könnte erreicht werden, wenn die Teilnahmerate an der gesetzlichen Krebsfrüherkennung bei den Berechtigten von 50 Jahren und älter gesteigert werden würde.”

Woher kommt der Anstieg? – Dieses Rätsel bleibt

Die genauen Ursachen für den Anstieg bleiben auch mit den neuen Daten aus Deutschland unklar, wie das Team um Dr. Sven Voigtländer vom Bayerischen Krebsregister in Nürnberg und Hiltraud Kajüter vom Krebsregister Nordrhein-Westfalen in Bochum erläutert.

Vermutlich gebe es einen Zusammenhang mit Lebensstilveränderungen ab den 1950er Jahren. “Dazu zählen Adipositas im Kindes- und Jugendalter, Antibiotikaeinnahme, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und Reproduktionstechnologien, die potenziell zu frühkindlichen physiologischen oder metabolischen Veränderungen führen und das Darmmikrobiom beeinflussen.”

Generell hingen Darmerkrankungen mit Faktoren wie Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung zusammen, erläutern die Experten. Adipositas stelle einen Zustand chronischer Entzündung dar und gelte als wahrscheinlichste Ursache für den Anstieg der Fälle von frühem kolorektalem Karzinom (Early-Onset Colorectal Cancer, EO-CRC, also ein Kolon- oder Rektumkarzinom, das vor dem 50. Lebensjahr diagnostiziert wird).

Zahl Fettleibiger in den USA deutlich stärker gestiegen

Bisherige Studiendaten zeigen den Forschenden zufolge, dass Fettleibigkeit – insbesondere, wenn sie schon in jungen Jahren auftritt – mit einem höheren Risiko für frühen Darmkrebs verbunden ist. In Deutschland ist der Anteil Fettleibiger bei den 25- bis 34-Jährigen demnach zwischen 1990/1992 und 2008/2011 bei Männern von 11 auf 17 Prozent und Frauen von 9 auf 14 Prozent gestiegen.

In den USA stieg der Anteil bei den 20- bis 39-Jährigen zwischen 2007/2008 und 2015/2016 von 31 auf 36 Prozent und in der Altersgruppe der 2- bis 19-Jährigen von 17 auf 19 Prozent, wie die Experten erläutern. Die Zahlen seien nicht direkt vergleichbar, belegten aber eine deutlich geringere Adipositashäufigkeit in Deutschland als in den USA.

Möglicherweise sei das der Grund für den hierzulande merklich geringeren Anstieg früher Darmkrebs-Fälle. Der Bremer Chefarzt Pox plädiert dafür, die Gründe weiter zu untersuchen – die höhere Übergewichtsrate scheine als alleiniger Grund zu vereinfacht.

Auch bei der Sterblichkeit steht Deutschland besser da

Die EO-CRC-Sterblichkeit sei in den USA zwischen 2004 und 2020 durchschnittlich um 1,2 Prozent pro Jahr gestiegen, heißt es im “International Journal of Cancer” weiter. Auch diese Entwicklung sei in Deutschland nicht erkennbar, die Mortalität sei nahezu stabil geblieben. Eine mögliche Ursache sehen die Wissenschaftler in einer verbesserten Früherkennung.

Für die aktuelle Analyse wertete das Team um Voigtländer und Kajüter Krebsregisterdaten aus neun Bundesländern sowie dem Landkreis Münster – zusammen 46 Prozent der deutschen Bevölkerung – über den Zeitraum von 2003 bis 2023 aus. In der Altersgruppe von 20 bis 49 Jahren wurden kolorektale Karzinome bei 27.568 Menschen erfasst.

Die Zahl der Neudiagnosen von frühem kolorektalem Karzinom ohne sogenannten Appendixkrebs stieg demnach bei Männern um durchschnittlich 0,8 Prozent jährlich, bei Frauen um 0,9. Bei den 20- bis 29-Jährigen lagen die Werte bei 3,3 (Männer) und 3,9 Prozent (Frauen), bei den 30- bis 39-Jährigen bei 2,2 (Männer) sowie 2,0 Prozent (Frauen).

Bei den 40- bis 49-Jährigen veränderte sich die Zahl der Neudiagnosen nicht merklich. Für Appendixkarzinome stieg die Häufigkeit in allen Altersgruppen.

Präventionsstrategien längst nicht ausgeschöpft

Eine Senkung des Einstiegsalters für das Darmkrebs-Screening auf 45 Jahre werde durch die Studie nicht gestützt, resümieren die Autoren. Die praktikablen, kosteneffektiven Präventionsstrategien seien hierzulande auch längst nicht ausgeschöpft. In einem aktuellen Vergleich der Präventionspolitik von 18 europäischen Ländern belege Deutschland: Platz 17.

Hinzu komme die trotz des leichten Anstiegs weiter geringe Häufigkeit verglichen mit der von Darmkrebs bei den über 50-Jährigen. Von durchschnittlich 56.200 neuen Darmkrebs-Fällen (einschließlich Appendixkarzinome) pro Jahr in Deutschland zwischen 2021 und 2023 waren demnach nur 3.000 (5,4 Prozent) früh auftretende.

Zum Vergleich: “In den USA werden mittlerweile 14 Prozent aller Personen mit Darmkrebs in einem Alter unter 50 Jahren diagnostiziert”, erklärte Seufferlein vom Universitätsklinikum Ulm. Der Beginn des Darmkrebs-Screenings sei dort darum auf das 45. Lebensjahr herabgesetzt worden.

Die Häufigkeit von Darmkrebs über alle Altersgruppen hinweg sinkt in vielen Ländern wie den USA, Kanada und Deutschland seit mehreren Jahrzehnten, wie es in der Studie auch heißt. Experten führen das unter anderem auf die Einführung von Screening-Programmen zurück, mit denen schon Vorstufen erkannt werden.

Hinzu kommen Fortschritte in der Therapie. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sank die Zahl der Todesfälle innerhalb von 20 Jahren um 17 Prozent: Starben im Jahr 2003 noch 28.900 Menschen an Darmkrebs, waren es im Jahr 2023 noch 24.100.

Quelle: dpa

E-Mail-Adresse vergessen? Schreiben Sie uns.
Passwort vergessen? Sie können es zurücksetzen.
Nur wenn Sie sich sicher sind.

Sie haben noch kein Passwort?

Gleich registrieren ...

Für Hausärztinnen und Hausärzte, Praxismitarbeitende und ÄiW (Allgemeinmedizin und Innere Medizin mit hausärztlichem Schwerpunkt) ist der Zugang immer kostenfrei.

Mitglieder der Landesverbände im Hausärztinnen- und Hausärzteverband profitieren außerdem von zahlreichen Extras.

Hier erfolgt die Registrierung für das Portal und den Newsletter.


Persönliche Daten

Ihr Beruf

Legitimation

Die Registrierung steht exklusiv ausgewählten Fachkreisen zur Verfügung. Damit Ihr Zugang freigeschaltet werden kann, bitten wir Sie, sich entweder mittels Ihrer EFN zu legitimieren oder einen geeigneten Berufsnachweis hochzuladen.

Einen Berufsnachweis benötigen wir zur Prüfung, wenn Sie sich nicht mittels EFN autorisieren können oder wollen.
(max. 5 Dateien; PDF, JPG, PNG oder TIF)

Mitglied im Hausärzteverband
Mitglieder erhalten Zugriff auf weitere Inhalte und Tools.
Mit der Registrierung als Mitglied im Hausärzteverband stimmen Sie zu, dass wir Ihre Mitgliedschaft überprüfen.

Newsletter
Sie stimmen zu, dass wir Ihre E-Mail-Adresse für diesen Zweck an unseren Dienstleister Mailjet übermitteln dürfen. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen.

Das Kleingedruckte
Die Zustimmung ist notwendig. Sie können Sie jederzeit widerrufen, außerdem steht Ihnen das Recht zu, dass wir alle Ihre Daten löschen. Jedoch erlischt dann Ihr Zugang.
Newsletter abbestellen

Wenn Sie den Newsletter abbestellen wollen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an und wählen Sie die gewünschte Funktion. Wir senden Ihnen dann eine E-Mail zur Bestätigung.