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Quelle: SURVSTAT@RKI 2.0 des Robert Koch-Instituts [11], Abruf 07.01.2026
Nur ein Drittel screent
Vom 4. Quartal 2021 bis zum 4. Quartal 2024 stieg der Anteil der gescreenten Patientinnen und Patienten bezogen auf die Anzahl der abgerechneten GU von 21,5 auf 33,7 Prozent. Dabei gab es in den Jahren 2023 und 2024 keine erkennbare Zunahme mehr. Daraus lässt sich schließen, dass nur ein Drittel aller Hausärztinnen und Hausärzte regelmäßig im Rahmen der GU auf Hepatitis B und C screent.
Solange dieser Anteil nicht zunimmt, wird die Neudiagnoserate sinken, da das Screening nur einmal pro Person möglich ist, sich nun die ersten GU nach drei Jahren wiederholen und diese Menschen schon gescreent wurden.
Im theoretischen Fall, dass sich seit 2021 alle Hausärztinnen und Hausärzte am Screening beteiligt und ihre Versicherten untersucht hätten, wären wahrscheinlich schon mehr als 100.000 neue Hepatitis-B-Patienten und mehr als 40.000 Hepatitis-C-Patienten mit einer bisher unentdeckten Lebererkrankung identifiziert worden. Das Erreichen des WHO-Ziels wäre auch in Deutschland realistisch.
Wenig Aufwand bei GU
In den Medien sprechen sich einige Hausärztinnen und Hausärzte sowie Infektiologinnen und Infektiologen gegen ein allgemeines Screening aus, unter anderem mit dem Argument, dass das Screening für Hausärztinnen und Hausärzte unterfinanziert und beratungsintensiv sei [12], [13], [14].
Tatsächlich kann es mit wenig Aufwand laufen, wenn man es einmal im Praxisteam im Rahmen der GU implementiert hat: Die Patientinnen und Patienten erhalten eine schriftliche Information zum Screening und die MFA erteilt einen entsprechenden Überweisungsauftrag für das Labor.
Bei der Bestimmung der Laborwerte ist es wie bei den sonstigen Laborwerten der GU wichtig, auf dem Muster 10a “Präventiv” anzukreuzen bzw. in der Laboranforderung das Screening entsprechend zu markieren. Außerdem ist vor der Hepatitis-B-Analyse der Impfstatus zu prüfen, da ein Screening bei erfolgter Impfung nicht notwendig ist. Da es für Hepatitis C keine Schutzimpfung gibt, entfällt hier ein entsprechender Vorabcheck.
Bei 1.000 gescreenten Personen ist mit vier bis fünf neuen virämischen Hepatitis-B-Betroffenen und maximal zwei Hepatitis-C-Betroffenen zu rechnen (eigene Berechnung). Diese können Hausärztinnen und Hausärzte ggf. auch zur weiteren Beratung und eventuellen Behandlung zum Hepatologen bzw. zur Hepatologin überweisen.
Merke: Werden Hepatitis-C-Antikörper ohne eine Virusreplikation (negativer PCR-Test) gefunden, so ist die Erkrankung spontan ausgeheilt und es bedarf keiner weiteren Diagnostik. Das Gleiche gilt für eine stattgehabte erfolgreiche antivirale Therapie in der Vergangenheit.
Mehr Honorar
Ein standardisiertes Screening ist zudem wirtschaftlich interessant – macht es doch die Blutentnahme im Rahmen der GU erst attraktiv: Erzielte die Hausarztpraxis für die Blutentnahme zur Bestimmung von Glukose und Blutfetten zuletzt konstant 1,50 Euro, so erbringt die Veranlassung des Hepatitis-Screenings mittlerweile zusätzlich 5,08 Euro.
Eine kurze Überschlagsrechnung macht deutlich: Zwischen 2021 und 2024 wurde bei circa 20 Millionen Versicherten kein Screening durchgeführt. Multipliziert man diese Zahl mit 5 Euro, wird klar, dass in drei Jahren circa 100 Millionen Euro mehr nichtbudgetiertes Honorar möglich gewesen wären.
Es ist jedoch nicht zu spät: Bisher nicht gescreente Patientinnen und Patienten kommen wahrscheinlich in den nächsten Jahren erneut zum Check-up, das Screening kann dann nachgeholt werden. Denn die Möglichkeit der Abrechnung der GOP 01734 im Rahmen der GU wurde kürzlich bis 2028 verlängert.
Potenzielle Interessenkonflikte: Dr. Hüppe hat in den letzten 3 Jahren finanzielle Unterstützung für Vorträge im Zusammenhang zum Thema von AbbVie und Falk erhalten.
Literatur
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