Das Vertrauen in Hausärztinnen und Hausärzte hat weiter zugenommen. Diese erfreuliche Botschaft geht aus dem Stada Health Report hervor. Demnach wird Hausärztinnen und Hausärzten nicht nur größtes, sondern vor allem auch stetig zunehmendes Vertrauen entgegengebracht. Von 65 Prozent im Jahr 2022 ist die Vertrauenswürdigkeit auf nunmehr 76 Prozent gestiegen. Und dies trotz Dauerkrise und grassierendem Personalmangel, anhaltender finanzieller Schieflage sowie aller weiteren systemischen Unzulänglichkeiten.
“Unfaires” Gesundheitswesen
Dieses gute Abschneiden ist vor allem insofern beachtlich, als dass zum einen mit 36 Prozent über ein Drittel der Deutschen dem Gesundheitssystem im Falle einer schwerwiegenden Erkrankung keine angemessene Behandlung und notwendige Versorgung zutrauen. Zum anderen halten nur 53 Prozent der Bundesbürger das derzeitige System für fair.
Bedeutsam ist ferner, dass die persönliche Interaktion mit Ärztinnen und Ärzten als der entscheidende Faktor für das Vertrauen in gesundheitlichen Fragen angegeben wird. Das erklärt auch, weshalb nicht-menschliche Gesundheitsberater wie Google oder Künstliche Intelligenz (KI) nach wie vor weniger gefragt sind.
Prävention wird besser angenommen
Eine weitere positive Erkenntnis aus dem Report ist, dass Vorsorgeuntersuchungen immer häufiger wahrgenommen werden: 66 Prozent der Europäer insgesamt und 72 Prozent der Deutschen nutzen zumindest einige der Angebote zur Prävention. Frauen haben daran mit 79 Prozent ein höheres Interesse als Männer mit 64 Prozent. Als hauptsächliche Beweggründe geben Frauen an, dass sie Vorsorge für wichtig und sinnvoll halten, sie ihnen die Sicherheit gibt, dass alles in Ordnung ist und insofern ihre Lebensqualität gesteigert wird.
Interessant ist auch, was die deutschen Präventionsmuffel umtreibt. Exakt ein Viertel von ihnen erachten diese als unnötig, 15 Prozent haben dazu keine Zeit oder Angst vor einer negativen Diagnose. Bedenklich stimmt, dass 22 Prozent der Nichtvorsorger gar nicht wissen, welche Untersuchungen für sie relevant sind.
Ungeachtet der Vielfalt dessen, was der Nutzung von Vorsorgeleistungen im Wege stehen mag – es gibt ganz offenkundig einen wirksamen Hebel. Dabei handelt es sich schlichtweg um eine Erinnerung und Aufforderung seitens Hausarztpraxis oder Krankenversicherung. In den EU-Ländern, die dies praktizieren, ist die Teilnahmequote für Vorsorgeuntersuchungen deutlich höher.
In Deutschland erhalten jedoch nur 48 Prozent der Bevölkerung Einladungen oder Erinnerungen an Vorsorgetermine. Im europäischen Durchschnitt sind es immerhin 54 Prozent.
Gesund leben? Na klar! Denkste…
In der gesamten EU wie auch bundesweit herrscht mit 96 Prozent große Übereinstimmung darüber, dass ein gesundheitsbewusster Lebensstil von enormer Bedeutung ist. Mit der Theorie, also dem Wissen, sieht es mithin gut aus. In der gelebten Praxis indessen weit weniger: Nur 51 Prozent der Bundesbürger bewerten ihren Lebensstil insgesamt als gesund. Das entspricht exakt dem Durchschnitt aller befragten 22 Länder.
Deutlich gesünder nach ihrer eigenen Einschätzung leben dagegen die Spanier: Sie stehen mit 68 Prozent auf Platz eins, gefolgt von den Usbeken mit 66 Prozent und den Schweizern mit 61 Prozent. In Spanien erfreut man sich europaweit inzwischen auch der höchsten Lebenserwartung mit durchschnittlich 84 Jahren. Das korreliert mit der genannten Bewertung einer gesunden Lebensweise.
Ganz oben im Ranking derer, die viel für ihre eigene Gesundheit mit Nahrungsergänzungsmitteln tun, stehen übrigens mit 83 Prozent die Dänen. Die Deutschen liegen hierbei im Mittel bei 71 Prozent.
Stolpersteine auf dem Weg ins gesunde Leben
Was sie am Projekt “Gesund leben” scheitern lässt, ist nach Angaben vieler Deutscher mit 41 Prozent mangelnde Motivation und mit 26 Prozent zu wenig Zeit. Mindestens ebenso schwer, wenn nicht mehr, wiegt indessen die finanzielle Situation. Denn den Bundesbürgern, die knapp bei Kasse sind, fällt es erheblich schwerer, gesund zu leben. Wer sich hingegen keine Sorgen ums Geld machen muss, beschreibt seinen Lebensstil deutlich häufiger als gesund und seine körperliche Gesundheit als gut.
Die eigene wirtschaftliche Lage wirkt sich auch ganz klar auf die mentale Gesundheit aus. Denn nur 37 Prozent jener mit Geldsorgen beschreiben sie als gut, während das gleiche für 72 Prozent der Deutschen mit guter Finanzsituation gilt. Der Zusammenhang zwischen finanzieller und mentaler Belastung ist offensichtlich. Doch auch unabhängig voneinander haben sie einen klaren Einfluss auf die Lebensweise.
Wirtschaftliche Konsequenzen durch mentale Belastungen
Wenn etwas auf der Psyche lastet, erschwert das eine gesunde Lebensweise ganz erheblich: Wer mit mentalen Problemen zu kämpfen hat, gibt dreimal seltener an, gesund zu leben als Menschen mit guter mentaler Gesundheit. Die so oft angespannte und belastete psychische Verfassung hat auch gravierende volkswirtschaftliche Folgen.
Denn 17 Prozent der Deutschen haben sich im letzten Jahr krankgemeldet, weil sie sich “gestresst fühlten”. Unter den Arbeitnehmern, die ihre mentale Gesundheit selbst als schlecht beschreiben, meldeten sich in Deutschland 31 Prozent wegen Stress und 14 Prozent wegen fehlender Motivation krank.
Mental belastet, überfordert und motivationslos zu sein, etabliert sich offenkundig zu einem besorgniserregenden Trend. Dieser habe das Potenzial, zum folgenreichen Wirtschaftsfaktor zu werden.
Quelle: Internationale Pressekonferenz “Gesund leben: Europa zwischen Wunsch und Wirklichkeit” in Berlin
