© Ernst Leiste Perlenfarm in der Lagune von Huahine.
“Seit 1838 sind wir britische Kronkolonie, es gibt eine – aktuell wegen Kindermangel geschlossene – Schule, einen Arzt, der derzeit aus Polen kommt, und eine kleine Forschungsstation. Besondere Bedeutung für uns hat die ‚Pitcairn Island Marine Protected Area’. Diese rund 850.000 qkm große Meeresschutzzone rund um unsere Insel ist von der UN mit dem renommierten ‚Blue Park Award’ für ihre Biodiversität und den Schutz der Korallenriffe ausgezeichnet worden,” berichtet sie nicht ohne Stolz weiter.
Zwar können wir die Relikte der “Bounty” – Anker, Kanonen und die Bibel des Schiffs befinden sich in der kleinen Siedlung Adamstown – nur auf Bildern bewundern, doch übt die kleine Insel auf etliche “Kreuzfahrer” einen solchen Reiz aus, dass einzelne Gäste, die teilweise schon mehrfach die Insel nicht erreichen konnten, nunmehr schon eine Passage mit dem Versorgungsschiff Aranui von Tahiti aus gebucht haben, um in Pitcairn endlich an Land zu kommen.
Ausgangspunkt für Polynesien ist meist das größte Eiland Tahiti, das inzwischen aber zunehmend europäisch anmutet. Hier ging im April 1769 der “Entdecker der Südsee”, der berühmte Seefahrer James Cook, mit seinem Schiff Endeavour an Land. Auch Paul Gauguin, der u.a. für seine Gemälde der “Schönheiten der Südsee” berühmt ist und gerade mal 54-jährig 1903 auf der Marquesas-Insel Hiva Oa starb, verbrachte mehrere Jahre auf Tahiti.
Der Zauber der “Gelben Eidechse”
Der eigentliche Zauber der Südsee beginnt in Sichtweite von Tahiti – gerade einmal eine halbe Stunde mit der Fähre entfernt – auf Moorea, einer Vulkaninsel, die der Legende nach die Rückenflosse eines riesigen Fisches darstellt. “Der heutige Name stammt von ‚Moo-Rea’ ab, das übersetzt ‚gelbe Eidechse’ heißt. Wahrscheinlich ist dies der Name einer der ehemaligen einflussreichen ‚Chief’-Familien, die mit der großen königlichen Pomaré-Dynastie in Tahiti verwandt waren. Auch heute noch ist die gelbe Echse das Symbol der Insel”, berichtet unsere Reiseleiterin.
Bereits James Cook soll seinen Ankerplatz in der Baie de Opunohu ‚als den schönsten der Welt’ bezeichnet haben, womit er sicher nicht übertrieben hat. Das Panorama eignet sich auch heute noch bestens als Postkartenmotiv und entschädigt für trübe Wintertage in Europa. Beeindruckend ist auch der Blick vom 240 Meter hoch liegenden Belvédère du Opunohu, von wo aus man eine tolle Sicht auf die gleichnamige Bucht und die Baie de Cook, die durch den berühmten Mont Rotui getrennt sind, hat.
Am Fuße des Aussichtspunktes befinden sich die alten polynesischen Tempelanlagen Marae Afareaito und Titiroa. “Die verschiedenen Plattformen dieser Zeremo-nialanlage dienten als Versammlungsstätten für Häuptlinge, Priester und Krieger, die dort Beratungen über politische, religiöse und soziale Fragen, die das Gemeinschaftsleben betrafen, abhielten”, erläutert unsere Reiseleiterin weiter.
Weiter geht es zum Tiki Village. Mitte der 80er Jahre hat hier der Franzose Olivier Briac den Nachbau eines alten polynesischen Dorfes intiiert, um die alten Bräuche und die Kultur der Gesellschaftsinseln zu bewahren. In einem kleinen Raum sind auch einige Kopien von Paul Gauguins tollen Gemälden zu bewundern. Da das Museum mit eigenen Werken des Künstlers auf Tahiti ja immer noch geschlossen ist, erhalten wir so wenigstens einen kleinen Eindruck von der Farbenpracht der Südsee.
“Erinnert wird in dem Raum auch an Marlon Brando, der nach Abschluss der Dreharbeiten der ‚Meuterei auf der Bounty’ das 42 km nördlich von Tahiti gelegene Atoll Tetiaroa für 99 Jahre pachtete und dort mit seiner großen Liebe, der polynesischen Tänzerin Tarita Tumi Teriipaia, die in dem Film mitgespielt hatte, viele Jahre lebte. Die Asche, des 2004 verstorbenen Filmstars wurde übrigens – seinem Wunsch entsprechend – teils im Death Valley und teils in der Lagune des Atolls Tetiaroa verstreut”, weiß unsere Führerin zu berichten.
Die Legende von den Aalen mit den blauen Augen
Ein echter Geheimtipp erwartet uns am nächsten Tag auf dem 175 km nordwestlich von Tahiti liegenden Inselatoll Huahine. Unser lokaler Führer Manutea empfängt uns mit dem Wahlspruch der Einheimischen: “Pas trop vite le matin, doucement l‘après-midi”, was übersetzt: “Nicht zu schnell am Morgen und gemächlich am Nachmittag” heißt und somit ein ideales Ziel für Reisende darstellt, denen etwa der Trubel des Hotspots Bora Bora etwas zu viel ist.
Doch auch auf Huahine, das aus zwei Vulkaninseln besteht, gibt es viel zu entdecken. Großartige Aussichten auf das türkisfarbene Wasser der Lagune und vorgelagerte Motus gibt es immer wieder. Und um weiter in die Kultur der Insel einzutauchen, ist ein Besuch der heiligen Aale von Faie ein Muss.
© Ernst Leiste Die heiligen Aale mit den blauen Augen von Faie auf Huahine.
Diese teilweise über einem Meter langen prächtigen Exemplare, die die einheimischen Kinder und die Reiseführer gerne mit Fisch oder Kokosnussfleisch anfüttern, haben nämlich blaue Augen. Und dies angeblich – was kaum verwundert – wegen einer außergewöhnlichen Legende.
Der Mythos besagt nämlich, dass es einst einen mächtigen Geist oder eine göttliche Kreatur gab, die sich in einen Aal verwandelte. Dieser Aal soll sich in eine wunderschöne Prinzessin verliebt haben, doch ihre Liebe war verboten. Bevor der Aal starb, bat er darum, dass sein Kopf in den Fluss geworfen werde, wo er neues Leben fand. Seitdem, so die Legende, tauchten in diesem Fluss mystische Aale mit leuchtend blauen Augen auf. Sie gelten als heilig, und die Einheimischen glauben, dass sie mit der spirituellen Welt verbunden sind.
Auch das archäologische Erbe der Insel ist sehr reichhaltig. Im Dorf Maeva gibt es alte Tempel und Zeremonialanlagen (Marae) sowie acht ehemalige Häuptlingshäuser. Empfehlenswert ist vor allem ein Besuch des Fare pote’e Maeva, eines Museums, das tiefe Einblicke in die polynesische Kultur bietet.
© Ernst Leiste Die über 400 Jahre alten, aus Korallenblöcken gebildeten Fischreusen in Maeva auf Huahine sind noch in Betrieb.
Außergewöhnlich, hinter dem Rathaus von Maeva, sind auch die V-förmigen über 400 Jahre alten, aus Korallenblöcken gebildeten Fischreusen, die auch heute noch nach der Flut und zurücklaufendem Wasser in den Reusen ‚reiche Beute’ bringen. Zu bieten haben die Zwillingsinseln auch eine mitten in der Lagune liegende Perlenfarm, in der die Kunden in die Geheimnisse der schwarzen Perlen eingeweiht werden und diese gerne mit nach Hause nehmen dürfen.
Reiseinfos
Beste Reisezeit: Oktober bis März, subtropisches Klima
Anreise : Langstreckenflug nach Tahiti, von dort Fähr- oder Flugverbindungen zu den benachbarten Inseln Moorea, Huahine, Bora Bora etc.
Kreuzfahrtschiff: Phoenix Reisen ist mit den Schiffen Artania, Amadea, Amera auf Weltreisen mehrfach jährlich in der Südsee unterwegs. In regelmäßigen Abständen werden die erwähnten Inseln angelaufen, z.B. Ende Februar 2027 mit der Amadea und Anfang April 2027 mit der Amera. Als weitere Reedereien mit überwiegend deutsch sprechendem Publikum sind in der Region Nicko Cruises und Aida aktiv.