
Tab.: Die neuen Leichenschau-Ziffern
Manko Zeitvorgaben
Nicht abwenden konnten die Ärztevertreter, vor allem die Bundesärztekammer, dass die Untersuchungsziffern an Zeitvorgaben geknüpft sind (s. Tab. und “Der Hausarzt” 14/19). Zuletzt wurde ein Antrag der Sächsischen Landesärztekammer abgelehnt, der die Zeitvorgaben komplett streichen wollte. [2, 3] Ebenso verweigerte das Bundesgesundheitsministerium, eine gesonderte Gebühr für das Aufsuchen der Verstorbenen zu schaffen.
Die Änderungen im Überblick:
- Die vorläufige und die endgültige Leichenschau werden mit der Nr. 100 oder 101 in Rechnung gestellt. Daneben dürfen die Nr. 48 bis 52 GOÄ nicht berechnet werden.
- Für unbekannte Patienten gibt es einen neuen Zeitzuschlag (Nr. 102).
- Es ändern sich die Ziffern für die Entnahme von Flüssigkeit (alt 102, jetzt 106), Bulbus (alt 104, neu 107), Hornhaut (alt 105, neu 108) und Herzschrittmacher (alt 107, neu 109) bei Toten.
Aufsuchen zählt nicht zur Zeitvorgabe
Zudem ist leider die Legende der Nrn. 100 und 101 missverständlich formuliert. Hier ist die Rede von “(…) Leichenschau (…) und Ausstellung einer (…) Todesbescheinigung (…) ggf. einschließlich Aufsuchen.” Wer glaubt, dass zur Berechnung der Ziffern 100 oder 101 der Zeitaufwand für das Aufsuchen bei der Zeitvorgabe zu berücksichtigen ist, der irrt. Der Begründung zum Gesetz [4] ist zu entnehmen, dass “das Aufsuchen (…) als fakultativer Leistungsbestandteil in die Leistung nach Nummer 100 [bzw. 101] einbezogen worden ist, weil es in aller Regel mit der vorläufigen Leichenschau anfällt”, jedoch “die Mindestdauer sich auf alle inhaltlich mit der Leichenschau zusammenhängenden obligatorischen und fakultativen ärztlichen Leistungen vor Ort” bezieht.
Hier wird ebenfalls geklärt, dass die Unzeitzuschläge F bis H “unabhängig von der Anzahl und Kombination der erbrachten Leistungen (…) je Inanspruchnahme des Arztes nur einmal berechnet werden dürfen”.
Auf der Rechnung nicht angeben müssen Ärzte hingegen die tatsächlich erbrachten Mindestzeiten. Nach Paragraf 12 Abs. 2 GOÄ muss die Rechnung “bei Gebühren die Nummer und die Bezeichnung der einzelnen berechneten Leistung einschließlich einer (…) Mindestdauer sowie den jeweiligen Betrag und den Steigerungssatz” (hier nur 1,0 oder 0,6-fach, s. Kasten) enthalten.
An wen die Rechnung stellen?
Im Spannungsfeld der Rechnungslegung und -auslegung durch Dritte stellt sich dann noch die Frage, wann und an wen die Übergabe der Rechnung erfolgt. Während es beim “letzten Dienst” für die eigenen Patienten einfach ist, die zuständigen Rechnungsempfänger zu ermitteln und Zahlungsausfälle die Ausnahme sein dürften, kann das im Bereitschaftsdienst anders sein. Es mag pietätlos erscheinen, aber erfahrungsgemäß ist die Übergabe der Rechnung an die Angehörigen im Anschluss an die Leichenschau am einfachsten. Der indirekte Weg über ein zu erfragendes Bestattungsunternehmen wird oft gewählt, adressiert aber je nach Bundesland (Bestattungsrecht ist föderal geregelt) die falsche Person.
Rechnungsvorlage und GOÄ-Spickzettel herunterladen
Die Vorlage* für ein Rechnungsformular der “Rauchenden Köpfe” sowie den aktualisierten GOÄ-Spickzettel können Sie online herunterladen.
Sie können das Formular bearbeiten, indem Sie Ihre persönlichen Daten (z. B. Bankverbindung) hinterlegen, um es dann bei Bedarf durch aktuelle Angaben handschriftlich zu ergänzen.
*Vorlage ohne Gewähr; Um das Formular herunterzuladen, müssen Sie sich mit Ihrer E-Mail und EFN der Landesärztekammer einmalig kostenfrei auf www.hausaerztlichepraxis.digital registrieren
Quellen:
1. www.hausarzt.link/gidN1
2. www.hausarzt.link/aAY5b
3. www.hausarzt.link/RdYDy
4. www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/G/Fuenfte_Verordnung_zur_AEnderung_der_Gebuehrenordnung_fuer_AErzte_Kabinett.pdf