Berlin. Wenig Wertschätzung und eine sich verschlechternde wirtschaftliche Situation schlagen den Hausärztinnen und Hausärzten aufs Gemüt. Das geht aus einer Onlinebefragung des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes hervor, an der sich Ende August rund 4.700 Personen beteiligt haben. Da die Teilnehmenden nicht individuell verifiziert wurden, handelt es sich nicht um ein repräsentatives Ergebnis, aber sie kann ein Stimmungsbild liefern.
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband appelliert an die Politik, die Ergebnisse ernst zu nehmen und nicht zu riskieren, dass immer mehr Hausarztpraxen aus der Versorgung aussteigen. „Politik und Selbstverwaltung sollten nicht den Fehler machen und sich darauf verlassen, dass die Hausarztpraxen unter jedweder Bedingung weiterbuckeln. Wachsende Bürokratie, steigender finanzieller und Versorgungsdruck und auch ständig wechselnde politische Anforderungen zwängen uns in ein Korsett“, sagt Bundesvorsitzende prof. Nicola Buhlinger-Göpfarth. „Vor diesem Hintergrund ist die Ankündigung der Politik die Fixkostendegression zu streichen ein dringend benötigtes Signal der Entlastung.“
Unzufriedenheit nimmt zu
Rund 3 von 4 Befragten gaben an, dass die Attraktivität des hausärztlichen Berufes in den vergangenen fünf Jahren deutlich abgenommen hat. Für nur 8,4 Prozent ist sie gestiegen oder deutlich gestiegen. Für knapp 68 Prozent hat sich die wirtschaftliche Situation seit fünf Jahren verschlechtert. Lediglich 15,9 Prozent gaben an, dass die wirtschaftliche Situation auf dem gleichen Niveau geblieben ist.
Knapp 9 von 10 Befragten fühlen sich oder ihre Leistungen und die ihres Teams von der Politik nicht ausreichend anerkannt. Das größte wirtschaftliche Potenzial sehen die Praxen in Zukunft in der Hausarztzentrierten Versorgung, HZV, (knapp 35 Prozent), gefolgt von privaten oder Selbstzahlerleistungen (rund 33 Prozent). Nur 8,9 Prozent gaben die Vergütung in der Regelversorgung (EBM) an.
HZV als Anker
„Die HZV ist der Anker, der die Hausärztinnen und Hausärzte noch in ihren Praxen hält“, erklärt Co-Bundesvorsitzender Dr. Markus Blumenthal-Beier. Die Verträge böten nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch strukturell die Rahmenbedingungen, die sie für eine hochwertige Versorgung brauchen. red
