Hiermit loggen Sie sich bei DocCheck aus.
Abbrechen

Parasitäre HauterkrankungenEktoparasiten im Reisegepäck

Fernreisen erfreuen sich großer Beliebtheit, gleichzeitig suchen immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund die hausärztliche Praxis auf. Reise- und migrationsassoziierte parasitäre Hauterkrankungen spielen daher auch im Alltag von Hausärztinnen und Hausärzten eine zunehmende Rolle. Von Bedeutung sind dabei vor allem fünf Parasitosen.

Ein am Nagelrand in die Epidermis eindringender Sandfloh (Abb.1).

1. Tungiasis

Die Tungiasis (Sandflohkrankheit) ist eine in Südamerika und in Afrika südlich der Sahara vorkommende Ektoparasitose, die ein breites Spektrum von Haus- und Nutztieren befällt.

Sie entsteht durch das Eindringen des weiblichen Sandflohs Tunga penetrans in die Epidermis. Die Tungiasis ist eine der häufigsten parasitären Hauterkrankungen bei Reiserückkehrern aus Afrika und Brasilien [1], [2].

Das Sandflohweibchen penetriert typischerweise an den Füßen, beispielsweise beim Barfußlaufen. Prädilektionsstellen sind der Nagelrand, Nagelwall und die Fußsohle (s. Abb. 1).

Unmittelbar nach der Penetration beginnt der weibliche Sandfloh Blut zu saugen, vergrößert sein Volumen rapide und erreicht innerhalb von zwei Wochen die Größe einer Erbse [3]. Drei bis vier Wochen nach der Penetration stirbt der Parasit in situ.

Der sich rasch ausdehnende Körper des weiblichen Sandflohs übt Druck auf das umliegende Gewebe aus und verursacht dadurch eine starke Entzündungsreaktion. Die Entzündung wird durch eine häufig vorhandene bakterielle Superinfektion verstärkt [3].

Die Tungiasis wird in fünf Stadien eingeteilt, die jeweils eine charakteristische Hautpathologie aufweisen (siehe Abb. 2, 3, 4) [3].

Stadium 1 ist die Penetrationsphase, die zwischen 30 Minuten und einigen Stunden dauert.

Der Penetrationsvorgang wird in der Regel nicht bemerkt. Die Diagnose der Tungiasis ist makroskopisch und wird durch eine Reiseanamnese untermauert.

2. Kutane Larva migrans

Die hakenwurmbedingte kutane Larva migrans wird durch das Eindringen von tierischen Nematodenlarven wie Ancylostoma braziliense in die Epidermis verursacht. Die Nematodenlarven können die Basalmembran der Epidermis nicht durchdringen und entwickeln sich deshalb nicht zu erwachsenen Würmern.

Die Larven wandern Wochen bis Monate ziellos durch die Epidermis und verursachen einen gewundenen, über die Hornhaut erhabenen Gang, bis sie absterben. Deshalb die frühere Bezeichnung Hautmaulwurf. Die kutane Larva migrans ist die häufigste parasitäre Hauterkrankung bei Reiserückkehrern aus den Tropen beziehungsweise Subtropen. Erwachsene und Kinder sind gleichermaßen betroffen [5].

Die Krankheit ist besonders in Südamerika und in der Karibik verbreitet. Kleinepidemien wurden bei Besuchern von archäologischen Parks und Tempelanlagen beobachtet [6]. In einer retrospektiven Analyse von Reisenden, die eine reisemedizinische/tropenmedizinische Einrichtung aufgesucht hatten, wurde bei 3 bis 27 Prozent eine kutane Larva migrans diagnostiziert [5].

In typischen Endemiegebieten kontaminieren freilaufende Hunde und Katzen den Boden von öffentlichen Plätzen mit Hakenwurmeiern. Tropische Regenfälle verbreiten die Exkremente der Tiere und die darin enthaltenen Eier über eine große Fläche, auch in die Grünanlagen von Hotels oder Ferienresorts.

Aus den Eiern entwickeln sich innerhalb weniger Tage infektionsfähige Larven.Reisende infizieren sich, wenn sie barfuß oder in Badelatschen gehen oder sich in Sand oder auf Rasen setzen. Die Larven penetrieren in der Regel dort, wo Haut mit kontaminiertem Boden in Kontakt gekommen ist (s. Abb. 5).

Die kutane Larva migrans beginnt mit einer juckenden, rötlichen Papel an der Penetrationsstelle einige Stunden nach der Exposition. Wenige Tage nach der Penetration erscheint der typische erythematöse, serpiginöse, leicht erhabene Larvengang (s. Abb. 5).

Die Migration der Hakenwurmlarve induziert eine inflammatorische Entzündungsreaktion mit starkem Pruritus. Der Pruritus stört den Schlaf und führt zu intensivem Kratzen. Eine bakterielle Superinfektion des Larvengangs ist häufig [7].

3. Kutane Leishmaniose

Leishmanien sind begeißelte Protozoen, die sowohl beim Menschen als auch bei Tieren die Krankheit Leishmaniose hervorrufen. Der Krankheitstyp hängt von der Leishmanien-Spezies und der Immunantwort des Wirts ab. Die kutane Leishmaniose kommt in Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika sowie in Süd- und Südosteuropa vor. Der östliche Mittelmeerraum, ein typisches Urlaubsziel von Reisenden, ist ein Hochrisikogebiet [9].

Die Einzeller werden beim Blutsaugen durch weibliche Sandmücken (Phlebotomen) auf den Menschen übertragen. Phlebotomen sind deutlich kleiner als blutsaugende Mücken, sodass sie durch die Maschen von Moskitonetzen hindurchschlüpfen können.

Beim Blutsaugen gelangen promastigote, begeißelte Formen in die Haut. Diese werden von Makrophagen phagozytiert. In den Makrophagen wandeln sich die begeißelten Formen in nicht begeißelte amastigote Formen um und vermehren sich zuerst lokal und später auch disseminiert.

In Deutschland war die kutane Leishmaniose bis vor wenigen Jahren ausschließlich eine reiseassoziierte Infektion. Seit Beginn der Flüchtlingsbewegung aus Afghanistan, Syrien, Irak und Subsahara-Afrika hat die ihre Häufigkeit deutlich zugenommen [10].

Nach einer zwischen Wochen und Monaten variierenden Inkubationszeit entwickelt sich um die Einstichstelle eine zunächst juckende, nicht schmerzhafte, runde, papulöse Effloreszenz, die im Laufe von mehreren Wochen ulzeriert. Das Ulkus hat einen Randwall mit einer rundlichen Kruste im Zentrum. Die Läsionen treten typischerweise an nicht von Kleidung bedeckter Haut auf.

4. Skabies

Die Skabies wird durch die Krätzemilbe Sarcoptes scabiei var. hominis verursacht. Nur weibliche Milben penetrieren die Hornhaut. Skabies kommt weltweit vor. In vielen Ländern des globalen Südens liegt die Prävalenz der Skabies bei rund 15 Prozent in der Allgemeinbevölkerung [11]. In Europa hat die Häufigkeit der Skabies in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Eine Analyse von 14.436 Migranten/Flüchtlingen, die im European Personal Health Record System erfasst wurden, zeigte, dass die Skabies mit 20,9 Prozent die häufigste dermatologische Erstdiagnose war [12]. Ursache sind desolate hygienische Verhältnisse während der Migration beziehungsweise auf den Fluchtrouten.

Milben sind Astigmata und nehmen Sauerstoff nur durch Diffusion über die Haut auf. Dies erklärt, warum der Lebensraum von Sarcoptes-Milben auf Hornhaut beschränkt ist und Krätzemilben anatomische Bereiche bevorzugen, in denen die Hornhautschicht dünn ist.

Für die Übertragung auf einen anderen Wirt nutzen die Milben Geruchs- und Temperaturreize. Um wirksam zu sein, erfordern diese Reize einen engen Haut-zu-Haut-Kontakt in der Größenordnung von 5 bis 10 Minuten.

Nach einer Primärinfestation entwickeln sich die Symptome innerhalb von 4 bis 6 Wochen, nach einer Sekundärinfestation innerhalb von 12 bis 48 Stunden. Es entwickeln sich stark juckende erythematöse Papeln und/oder Knötchen.

Die Interdigitalbereiche von Händen und Füßen, die Achselhöhlen, der perimamilläre Bereich, der Bereich um den Nabel, das Gesäß, die anale und perianale Region und der Inguinalbereich sind typische Prädilektionsstellen. Läsionen am Penis gelten als pathognomonisch.

5. Pediculosis capitis und corporis

Kopf- und Kleiderläuse können sich auf der Haut des Menschen beziehungsweise in der Unterwäsche vermehren. Es gibt kein Tierreservoir. Die Übertragung von Kopfläusen erfolgt durch Haar-zu-Haar-Kontakt. Eine Übertragung über Bettwäsche, Handtücher, Haarbürsten und Kämme ist theoretisch möglich, aber in der Praxis eher selten. Kleiderläuse werden durch kontaminierte Unterwäsche oder gemeinsam benutzte Bettwäsche übertragen.

Kopfläuse treten weltweit auf. In den Ländern des globalen Südens beträgt die Prävalenz der Pediculosis capitis bei Kindern bis zu 40 Prozent. In Deutschland schwankt die Häufigkeit des Kopflausbefalls im Laufe des Jahres um einen Faktor 2,5 mit einem charakteristischen Anstieg nach dem Ende der Sommerferien [14]. Die Pediculosis corporis kommt nur in wenigen Ländern in Ostafrika endemisch vor.

Als 2015 Zehntausende junger Afrikaner mit dem Boot Italien erreichten, berichteten Infektiologinnen und Infektiologen aus Italien, der Schweiz, den Niederlanden, Deutschland und Finnland erstmals über Fälle von durch Läuse übertragenem Rückfallfieber (louse-borne relapsing fever), eine durch Borrelia recurrentis verursachte bakterielle Erkrankung, die potenziell lebensbedrohlich ist [15].

Fast alle Patientinnen und Patienten stammten aus Somalia oder Eritrea. Vor der Überquerung des Mittelmeers hatten die Flüchtlinge bis zu einem Jahr in Libyen in konzentrationslagerähnlichen Umgebungen gelebt. Sowohl Kopfläuse als auch Körperläuse vermehren sich in einem derartigen Umfeld und machen eine Übertragung von B. recurrentis wahrscheinlich.

Fazit für die hausärztliche Praxis

  • Tungiasis und kutane Larva migrans sind die häufigsten mit Fernreisen assoziierten Ektoparasitosen. Die kutane Leishmaniose wird aufgrund von Flucht und Migration aus dem östlichen Mittelmeerraum zunehmend häufig diagnostiziert. Die Diagnose der kutanen Leishmaniose, der Tungiasis und der kutanen Larva migrans erfordert Kenntnisse des Krankheitsbilds bzw. der Krankheitsstadien.
  • Die Skabies ist die häufigste migrationsassoziierte Infektionskrankheit. Die Verdachtsdiagnose der Skabies muss vom Dermatologen bestätigt werden.
  • Die saisonale Schwankung der Inzidenz der Pediculosis capitis mit einem Anstieg nach den Sommerferien deutet auf vermehrte Haar-zu-Haar-Kontakte bei Urlaubsaktivitäten hin.
  • Für jede der Ektoparasitosen gibt es eine evidenzbasierte Therapie.

Interessenkonflikte: Die Firma Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG hat Prof. Feldmeier bei der Erforschung der Tropenkrankheit Tungiasis unterstützt.

Literatur

  1. Heukelbach J, Gomide M, Araujo F, Jr. et al. Cutaneous larva migrans and tungiasis in international travelers exiting Brazil: an airport survey. J Travel Med 2007; 14: 374-380. doi:10.1111/j.1708-8305.2007.00156.x
  2. Saboya-Diaz MI, Nicholls RS, Castellanos LG et al. Current Status of the Knowledge on the Epidemiology of Tungiasis in the Americas. Revista panamericana de salud publica = Pan American Journal of Public Health 2022. doi: 10.26633/RPSP.2022.124
  3. Eisele M, Van Marck E, Mehlhorn H et al. Investigations on the biology, epidemiology, pathology and control of Tunga penetrans in Brazil: I. Natural history of tungiasis in man. Parasitol Res 2003. 90: 87-99.
  4. Nordin P, Thielecke M, Ngomi N et al. Treatment of tungiasis with a two-component dimeticone: a comparison between moistening the whole foot and directly targeting the embedded sand fleas. Trop Med Health 2017; 45: e6. doi:10.1186/s41182-017-0046-9.
  5. Field V, Gautret P, Schlagenhauf P et al. Travel and migration associated infectious diseases morbidity in Europe, 2008. BMC Infect Dis 2010; 10: 330. doi:10.1186/1471-2334-10-330
  6. Blackwell V, Vega-Lopez F. Cutaneous larva migrans: clinical features and management of 44 cases presenting in the returning traveller. The British Journal of Dermatology [BJD] 2001; 145: 434-437. doi:10.1046/j.1365-2133.2001.04406.x
  7. Jackson A, Calheiros CML, Soares VL et al. A study in a community in Brazil in which cutaneous larva migrans is endemic. Clin Infect Dis 2006; 43: 13-18. doi: 10.1086/505221
  8. Schuster A, Lesshafft H, Reichert F et al. Hookworm-related cutaneous larva migrans in northern Brazil: resolution of clinical pathology after a single dose of ivermectin. Clin Infect Dis 2013; 57: 1155-1157. doi:10.1093/cid/cit440
  9. Kaman A, Tanir G, Gayretli Aydin ZG et al. Cutaneous leishmaniasis in pediatric patients in a single tertiary hospital in Ankara. Turkish Society for Parasitology 2017; 41: 214-218.
  10. Boggild AK, Caumes E, Grobusch MP et al. Cutaneous and mucocutaneous leishmaniasis in travellers and migrants: a 20-year GeoSentinal Surveillance Network analysis. J Travel Med 2019; 1-11. doi: 10.1093/jtm/taz055
  11. Azdajic MD, Beslic I, Gasic A et al. Increased Scabies Incidence at the Beginning of the 21st Century: What Do Reports from Europe and the World Show? Life 2022; 12(10):1598. doi: 10.3390/life12101598.
  12. Zenner D, Mendez AR, Schillinger S et al. Health and illness in migrants and refugees arriving in Europe: analysis of the electronic Personal Health Record system. J Travel Med 2022; 29. doi:10.1093/jtm/taac035.
  13. Engelman D, Yoshizumi J, Hay RJ et al. The 2020 International Alliance for the Control of Scabies Consensus Criteria for the Diagnosis of Scabies. Br J Dermatol 2020; 183(5):808-820. doi: 10.1111/bjd.18943.
  14. Bauer E, Jahnke C, Feldmeier H. Seasonal fluctuations of head lice infestation in Germany. Parasitol Res 2009; 104: 677-681.
  15. Ciervo A, Mancini F, di Bernardo F et al. Louseborne Relapsing Fever in Young Migrants, Sicily, Italy, July-September 2015. Emerg Infect Dis 2016; 22: 152-153.
  16. Feldmeier H. Pediculosis capitis: Ein Update. Pädiatrie 2023; 35: 22-25. doi:10.1007/s15014-023-4924-9
  17. Heukelbach J, Oliveira FA, Richter J et al. Dimeticone-based pediculicides: A physical approach to eradicate head lice. The Open Dermatology Journal 2010; 4: 77-81.
  18. Burgess IF, Brunton ER, Burgess NA. Single application of 4% dimeticone liquid gel versus two applications of 1 % permethrin creme rinse for treatment of head louse infestation: a randomised controlled trial. BMC Dermatol 2013; 13:5
  19. Heukelbach, J, Wolf D, Clark JM et al. High efficacy of a dimeticone-based pediculicide following a brief application: in vitro assays and randomized controlled investigator-blinded clinical trial. BMC Dermatol 2019; 19(1):14.
E-Mail-Adresse vergessen? Schreiben Sie uns.
Passwort vergessen? Sie können es zurücksetzen.
Nur wenn Sie sich sicher sind.

Sie haben noch kein Passwort?

Gleich registrieren ...

Für Hausärztinnen und Hausärzte, Praxismitarbeitende und ÄiW (Allgemeinmedizin und Innere Medizin mit hausärztlichem Schwerpunkt) ist der Zugang immer kostenfrei.

Mitglieder der Landesverbände im Hausärztinnen- und Hausärzteverband profitieren außerdem von zahlreichen Extras.

Hier erfolgt die Registrierung für das Portal und den Newsletter.


Persönliche Daten

Ihr Beruf

Legitimation

Die Registrierung steht exklusiv ausgewählten Fachkreisen zur Verfügung. Damit Ihr Zugang freigeschaltet werden kann, bitten wir Sie, sich entweder mittels Ihrer EFN zu legitimieren oder einen geeigneten Berufsnachweis hochzuladen.

Einen Berufsnachweis benötigen wir zur Prüfung, wenn Sie sich nicht mittels EFN autorisieren können oder wollen.
(max. 5 Dateien; PDF, JPG, PNG oder TIF)

Mitglied im Hausärzteverband
Mitglieder erhalten Zugriff auf weitere Inhalte und Tools.
Mit der Registrierung als Mitglied im Hausärzteverband stimmen Sie zu, dass wir Ihre Mitgliedschaft überprüfen.

Newsletter
Sie stimmen zu, dass wir Ihre E-Mail-Adresse für diesen Zweck an unseren Dienstleister Mailjet übermitteln dürfen. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen.

Das Kleingedruckte
Die Zustimmung ist notwendig. Sie können Sie jederzeit widerrufen, außerdem steht Ihnen das Recht zu, dass wir alle Ihre Daten löschen. Jedoch erlischt dann Ihr Zugang.
Newsletter abbestellen

Wenn Sie den Newsletter abbestellen wollen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an und wählen Sie die gewünschte Funktion. Wir senden Ihnen dann eine E-Mail zur Bestätigung.