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SonderveröffentlichungInfluenza-Impfung in der Hausarztpraxis: Zielgruppen, Argumente, Gesprächsführung

Wer sollte gegen Influenza geimpft werden? Welche Argumente sprechen insbesondere bei kardiovaskulär vorerkrankten Patienten für die Impfung? Und wie lassen sich zögernde Patienten im Gespräch erreichen? Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Empfehlungen, medizinischen Argumente und Ansätze für eine motivierende Gesprächsführung zusammen.

Bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung wird eine Influenza-Impfung empfohlen.

Chronisch Kranke jährlich gegen Influenza impfen

Menschen mit chronischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für schwere oder tödliche Verläufe einer Influenza. Eine Impfung kann vor der Erkrankung schützen. Allerdings bestehen große Impflücken, vor allem bei jüngeren chronisch kranken Erwachsenen. Derzeit sind in Deutschland nur 28% der Menschen mit einer Grunderkrankung gegen Grippe geimpft. Das ist der niedrigste Stand seit 17 Jahren [1].

In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen lag die Impfquote in der Saison 2024/25 sogar nur bei etwa 6% und bei den 30- bis 39-Jährigen bei nur etwa 8% [2].

STIKO-Empfehlungen

Empfohlen wird die Influenza-Impfung für alle Menschen ab einem Alter von 6 Monaten, wenn eine erhöhte gesundheitliche Gefährdung infolge einer Grunderkrankung besteht. Dazu gehören u.a. chronische Erkrankungen der Atmungsorgane, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen, chronische neurologische Erkrankungen und eine angeborene oder erworbene Immundefizienz [3].

Weitere Zielgruppen, denen eine jährliche Influenza-Impfung empfohlen wird, sind Menschen ab 60 Jahren sowie Schwangere ab dem zweiten Trimenon, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung bereits ab dem ersten Trimenon. Darüber hinaus ist die Impfung enger Kontaktpersonen gefährdeter Menschen sinnvoll, insbesondere für diejenigen, die mit ihnen im selben Haushalt leben oder diese betreuen.

Besonders wichtig ist die Impfung von Kontaktpersonen für Menschen mit erwartbar reduzierter Impfwirksamkeit, etwa bei Immundefizienz [3].

Impfstoff nach Alter wählen

Bei den genannten Risikogruppen sollte die Influenza-Impfung jährlich erfolgen, und zwar mit einem für das jeweilige Alter passenden Impfstoff. Für Menschen ab 60 Jahren empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) inaktivierte Hochdosis oder MF59-adjuvantierte Influenza-Impfstoffe mit aktueller WHO-Antigenkombination, für jüngere Risikopersonen dagegen einen inaktivierten Standardimpfstoff [3].

Influenza und Herz: Was für die Impfung spricht

Eine Influenza aktiviert Entzündung und Gerinnung, erhöht den Sauerstoffbedarf des Herzens und kann

dadurch Koronarplaques destabilisieren und Ischämien begünstigen, eine bestehende Herzinsuffizienz

verschlechtern und Rhythmusstörungen auslösen [4].  So wird die Influenza zu einem relevanten Auslöser kardiovaskulärer Ereignisse.

Einer Studie zufolge sind fast 4% der Fälle von koronarer Herzkrankheit (KHK) statistisch mit Influenza assoziiert (populationsbezogenes attributables Risiko: 3,9%) [5].

Darüber hinaus zeigte die ARIC-Studie, dass ein Anstieg der monatlichen Influenza-Aktivität um 5% mit einer Steigerung der herzinsuffizienzbedingten Hospitalisierungen um 24% einhergeht [6].

Vierte Säule der Prävention

Setzt man am Infekt selbst an, verschiebt sich auch diese Risikolage. Für geimpfte Menschen wurden schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulär bedingte Todesfälle um etwa 30% seltener beobachtet [4]. In besonderem Maß profitieren Patientinnen und Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen von einer Influenza-Impfung. Das zeigte die IAMI-Studie, in der eine frühe Impfung von Patienten nach einem Myokardinfarkt oder mit einer Hochrisiko-KHK den kombinierten Endpunkt aus Tod, Myokardinfarkt oder Stentthrombose innerhalb von 12 Monaten reduzierte – getragen vor allem von einer geringeren Sterblichkeit [7].

Dementsprechend wird die Influenza-Impfung in einem Konsensus-Statement der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) bei Patienten mit kardiovaskulärem Risiko als mögliche vierte Säule der Prävention eingeordnet, neben Blutdrucksenkung, Lipidsenkung und antidiabetischer Therapie [4].

Aktiv ansprechen

Damit möglichst viele gefährdete Patienten eine Influenza-Impfung erhalten, sollte sie jedes Jahr bei Patienten mit KHK, Herzinsuffizienz oder nach akutem Koronarsyndrom aktiv angesprochen und im Rahmen des ohnehin stattfindenden Kontakts angeboten werden. Bei Herzinsuffizienz zählt vor allem die Risikominimierung einer infektgetriggerten Dekompensation.

In vier Schritten zur Impfung motivieren

Impfungen sind eine der wichtigsten und erfolgreichsten präventiven Maßnahmen. Dennoch haben manche Patientinnen und Patienten eine gewisse Abneigung gegen Impfungen. Ursachen für ihr Zögern sind oft nicht nur Wissenslücken, sondern auch Sorgen bezüglich der Verträglichkeit des Impfstoffs, die Angst vor Nebenwirkungen sowie soziale Einflüsse.

Vertrauen statt Druck

Bei diesen Patienten reicht es in der Regel nicht aus, sie über den Nutzen von Impfungen zu informieren. Mehr Fakten oder Druck können ihren Widerstand sogar weiter verstärken. Wie lassen sich diese Patienten zum Impfen motivieren? Hilfreich kann hier die motivierende Gesprächsführung sein. Sie setzt an der Ambivalenz der Patienten an. Ziel ist nicht, die Patienten zur Impfung zu überreden, sondern ihre Motivation zur Impfung zu stärken.

Basis für eine erfolgreiche Kommunikation mit den Patienten bilden Mitgefühl, Akzeptanz, Partnerschaft und Respekt vor Autonomie. Das Vorgehen umfasst vier Schritte [8]:

  1. Vertrauen aufbauen (Engage)
  2. Sorgen verstehen (Understand)
  3. Gezielt und mit Erlaubnis informieren (Offer Information/ Ask-Offer-Ask)
  4. Entscheidung klären und ggf. Impfung planen (Clarify & Accept).

Erst zuhören, dann informieren

Für das Gespräch mit den Patienten bedeutet dies: erst zuhören, dann informieren. Im ersten Schritt geht es um einen vertrauensvollen, vorurteilsfreien Dialog. Argumentiert jemand mit Fehlinformationen, ist es wichtig, nicht sofort zu kontern. Besser ist es, zunächst klar zu machen, dass man seine Sorgen versteht. Anschließend empfiehlt sich die Frage, ob weitere Informationen gewünscht sind.

Ist der Patient damit einverstanden, sollten relevante und gezielte Informationen in knapper Form folgen. Im besten Fall hat man damit erreicht, dass der Patient erste eigene Gründe für die Impfung formuliert. Dann kann der nächste Schritt angeboten und ein Impftermin geplant werden. Bei anhaltendem Zögern gilt es jedoch, die Entscheidung zu respektieren und das Gespräch für einen späteren Zeitpunkt offenzuhalten.

Quellen:

  1. Robert Koch-Institut. Epid Bull 2025;50
  2. Robert Koch-Institut. VacMap – Dashboard zur KV-Impfsurveillance; www.rki.de/DE/ Themen/Infektionskrankheiten/Impfen/Impfquoten/VacMap/vacmap.html; abgerufen im Juli 2026
  3. Robert Koch-Institut. Epid Bull 2026;4
  4. Heidecker B et al. Eur Heart J 2025;46:3518–3531
  5. Chaves SS et al. E Clinical Medicine 2023;55:101740
  6. Kytomaa S et al. JAMA Cardiol 2019;4(4):363–369
  7. Fröbert O et al. Circulation 2021;144:1476–1484
  8. Gagneur A et al. Human Vaccines & Immunotherapeutics 2024;20(1):2391625

DE-INF-2026-00052

 

Impressum

  • Infoboxen in Hausärztliche Praxis 15/2026, Hausärztliche Praxis 16/2026 und Hausärztliche Praxis 17/2026
  • V.i.S.d.P.: J. Dielmann-von Berg
  • Die Herausgeber der Zeitschrift übernehmen keine Verantwortung für diese Inhalte.
  • Mit freundlicher Unterstützung von Viatris Germany GmbH
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