Wie würden Sie vorgehen? Eine 33-jährige Patientin klagt seit mehr als sechs Monaten über häufigere weiche, nicht-wässrige Stuhlgänge, zum Teil mit Blut und Schleim, gelegentlich auch Druckgefühl im Unterbauch und Blähungen. Sie achte stets darauf, dass eine Toilette in der Nähe ist, berichtete Prof. Dr. Dr. Charles C. Adarkwah aus Kreuztal. Zuletzt bestanden eine stärkere rektale Blutung und imperativer Stuhldrang: „Ich muss dann wirklich sofort.“
„Das klingt banal, ist für die Betroffenen aber sehr beeinträchtigend“, erklärte Prof. Dr. Joachim Labenz aus Burbach. Der Aktionsradius der Betroffenen ist eingeschränkt, was sich auf den Alltag mit Vermeidungsverhalten auswirkt. Adarkwah riet deshalb dazu, solche Symptome ernst zu nehmen. Die Professoren warben für die frühzeitige Überweisung zur Koloileoskopie mit Biopsie. Bei der Patientin ergab die Endoskopie eine moderat aktive Proktitis ulcerosa, die Histologie war kompatibel mit einer Colitis ulcerosa, also einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED).
Krankheitsaktivität einschätzen
Die Koloileoskopie ist auch deshalb wichtig, weil laut aktueller S3-Leitlinie Colitis ulcerosa die CU hinsichtlich Ausdehnung und Krankheitsaktivität eingeschätzt werden soll, betonte Labenz. Beide Aspekte bestimmen die individuelle Therapieempfehlung [1].
Primäres Therapieziel ist das rasche Erreichen einer klinischen Remission, wenn möglich auch die endoskopische Remission bis hin zur Mukosaheilung. Langfristig wird versucht, die steroidfreie klinische und endoskopische Remission zu bewahren [1]. Präparat der ersten Wahl ist Mesalazin (z. B. Salofalk®). Bei leichter bis mäßig aktiver Proktitis ulcerosa (PU), wie im Fall der beschriebenen Patientin, wird mit mindestens 1.000 mg Mesalazin pro Tag topisch behandelt. Dieses kann als Suppositorium, Schaum oder in Form von Klysmen verabreicht werden.
Mesalazin hemmt die Inflammation und kann darüber hinaus das Risiko eines kolorektalen Karzinoms senken [2]. Deshalb sei es eine Therapie, „die wir ungern beenden, selbst wenn es den Patienten wieder gut geht“, sagte Labenz.
Rektale Monotherapie mit Budesonid
Die Zweitlinientherapie bei Versagen der oralen Mesalazin-Monotherapie besteht in der Kombination rektalen Mesalazins mit topischen Steroiden oder oralen Mesalazins. Neu empfohlen wird in der aktuellen Leitlinie auch die rektale Budesonid-Monotherapie bei milder bis moderater PU [1]. Budesonid (z. B. Budenofalk®) steht zur rektalen Anwendung als Zäpfchen und Rektalschaum zur Verfügung.
Etwa 75% und 70% der Patienten mit PU erreichten mit Budesonid-Zäpfchen bzw. -Rektalschaum eine klinische Remission, ca. 75% eine Mukosaheilung. Hinsichtlich Wirksamkeit, Sicherheit und Lebensqualität war das Zäpfchen dem Schaum nicht unterlegen – wegen der geringen Größe und einfachen Handhabung bevorzugen viele Patienten das Zäpfchen gegenüber dem Schaum [3]. Zum Remissionserhalt wird erneut auf topisches Mesalazin zurückgegriffen [1]. Die Patientin im Fallbeispiel erhielt dafür ≥3 x 1.000 mg pro Woche topisch.
Wichtig sei es, die Patienten darüber aufzuklären, dass die PU eine chronische, nicht heilbare Erkrankung ist, die der dauerhaften Behandlung bedarf, betonte Adarkwah, auch wenn in der Remissionsphase keine Symptome bestehen: „Symptomfreiheit ist nicht gleich Krankheitsfreiheit!“ Ärztliche Aufgabe ist es, die Therapieadhärenz zu sichern und den Verlauf zu begleiten.
Quellen:
- S3-Leitlinie Colitis ulcerosa, AWMF-Registernr. 021-009
- Słoka J et al. Molecules 2023;28(13):5081
- Kruis W et al. J Crohns Colitis 2022;16(11):1714-1724
- De Deo D et al. Expert Opin Biol Ther 2024;24:443-53
MAT-DE-UC-0032
Fachinformationen
Über folgenden Link gelangen Sie zu den Fachinformationen von Budenofalk® und Salofalk®: https://de.drfalkpharma.com/de/praeparate
