Kinshasa/Addis Abeba. Bei einem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen 528 Verdachtsfälle und 132 vermutete Todesfälle.
Der Großteil der Erkrankungen – 516 Verdachtsfälle und 131 Todesfälle – wurden im zentralafrikanischen Kongo gemeldet, wo der Ausbruch mutmaßlich in der dritten Aprilwoche begann. Im benachbarten Uganda gibt es laut WHO bislang 12 Verdachtsfälle und einen bestätigten Todesfall.
Die Ausbreitungsgefahr in Afrika gilt als hoch, die WHO hat daher einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die Organisation befürchtet eine wesentlich höhere Dunkelziffer, da vermutet wird, dass viele Fälle nicht gemeldet werden. Zudem ist der Ausbruch offenbar erst sehr spät erkannt worden. Internationale Experten sehen aber keine Gefahr für eine Pandemie.
“Hier ist zu berücksichtigen, dass die ersten Fälle sich häufig in kleineren Gesundheitszentren mit geringen diagnostischen Möglichkeiten und ohne Erfahrung in Bezug auf Ebolavirus-Infektionen vorstellen. Das Verdachtsmoment war daher vermutlich gering und zugleich gibt es zahlreiche andere und wesentlich häufigere Ursachen für schwere fieberhafte Erkrankungen: zum Beispiel Malaria und gleichzeitig zirkulierende Arboviren”, wird Privatdozent Dr. Torsten Feldt, zweiter Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) in einer Mitteilung des “Science Media Centers” (SMC) zitiert.
Für das Containment bedeute dies, dass das epidemiologische Bild große Lücken aufweise und die Identifizierung von Fällen und Kontaktpersonen eine immense Herausforderung darstelle.
17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976
Der Ebola-Ausbruch begann laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Es handelt sich um den insgesamt 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976.
Der Ausbruch der seltenen Bundibugyo-Variante des Virus, für die es weder einen Impfstoff noch eine Therapie gibt, macht die Lage besonders schwer einzudämmen. Der derzeit verfügbare Impfstoff ist gegen das Zaire-Virus gerichtet, auch einige gängige Ebola-Tests weisen lediglich die Zaire-Variante nach. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ausbruch der Zaire-Variante in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.
„Das Bundibugyo-Virus wurde erst 2007 entdeckt und ist daher für uns ein relativ neues Virus”, erklärt Feldt. Vor dem aktuellen Ausbruch seien lediglich zwei Ausbrüche mit etwa 200 Fällen bekannt gewesen. Daher sei die Datenlage wesentlich schlechter als zum Beispiel für das Zaire-Ebolavirus.
“Die Sterblichkeitsrate ist mit 25 bis 50 Prozent immer noch sehr hoch, scheint aber im Vergleich zu bisherigen Ausbrüchen mit dem Zaire-Ebolavirus deutlich geringer zu sein. Hier wurden in der Vergangenheit Letalitätsraten von bis zu 90 Prozent beschrieben.”
Ebola-Patient in Berlin behandelt
Ein im Kongo mit dem Ebola-Virus infizierter US-Amerikaner wurde aktuell in einer Sonderisolierstation der Berliner Charité aufgenommen. Die US-Behörden baten die Bundesregierung wegen der kürzeren Flugzeit nach Deutschland um Hilfe.
“Zum jetzigen Zeitpunkt äußern wir uns nicht zum Gesundheitszustand des Patienten», teilten das Bundesgesundheitsministerium und das Krankenhaus Charité mit. Der Mann befindet sich in der geschützten Sonderisolierstation des Universitätsklinikums.
WHO sieht keinen Grund für Reisebeschränkungen
Der Notfallausschuss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht trotz des Ausbruchs des tödlichen Ebola-Fiebers in Ostafrika keinen Grund für Reisebeschränkungen. Das Virus werde nicht durch zufälligen Kontakt oder die Atemluft, sondern durch direkten Kontakt mit Blut und Körperflüssigkeiten übertragen, betonte die Vorsitzende des Ausschusses unabhängiger Experten, Lucille Blumberg, bei einer Pressekonferenz in Genf. “Reisebeschränkungen sind unter den Regularien der Internationalen Gesundheitsvorschriften nicht empfohlen.”
Nichtsdestotrotz hat das benachbarte Ruanda seine Grenze zum Osten des Kongo bereits geschlossen. Die USA haben für den Kongo ihre höchste Reisewarnung herausgegeben und Einreisebeschränkungen für Personen ohne US-Pass verhängt, die sich kürzlich im Kongo, in Uganda oder im Südsudan aufgehalten haben.
Quelle: dpa/red
