Mehr Menschen gehen krank zur Arbeit, als dass sie sich zu Unrecht krankmelden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Wissenschaftsteam des Zentrums für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit der Universitätsmedizin Mannheim. Rund ein Drittel der Befragten (34,6 Prozent) gaben an, sich mindestens einmal im vergangenen Jahr trotz Arbeitsfähigkeit krank gemeldet zu haben. Gleichzeitig gaben 67,2 Prozent an, trotz Krankheit gearbeitet zu haben.
Für die Studie befragten die Forschenden 1.964 Beschäftigte in Deutschland und wendeten dabei eine spezielle Befragungsmethode an, um möglichst keine sozial unerwünschten Antworten zu erhalten. “Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der Fokus auf falsche Krankmeldungen zu kurz greift”, so das Forschungsteam. Die Studie zeige außerdem, dass Krankmeldungen trotz Arbeitsfähigkeit vor allem mit belastenden Arbeitsbedingungen zusammenhingen – etwa durch Stress, Rollenkonflikte, die “innere Kündigung” oder Druck durch soziale Normen im Arbeitsumfeld.
“Eine Fehleinschätzung der Ursachen für falsche Krankmeldungen kann dazu führen, dass politische Maßnahmen an den eigentlichen Problemen vorbeigehen”, warnen die Hauptautorinnen der Studie Stephanie Zintel und Raenhha Dhami. Während strukturelle Faktoren wie Arbeitsbelastung oder Personalmangel weniger Beachtung fänden, drohten Maßnahmen mit begrenzter Wirkung in den Vordergrund zu rücken.
red