Berlin. Die Einführung der telefonischen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit in der Pandemie hat Hausärztinnen und Hausärzten eine deutliche Entlastung beschert.
Patientinnen und Patienten mit Erkältungen oder Magen-Darm-Infekten verstopfen nicht mehr die ohnehin überfüllten Praxen, müssen nicht mit Schnupfen, Fieber, Husten etc. in Wartezimmern sitzen und andere kranke Menschen dort anstecken.
Nun hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen hohen Krankenstand der Arbeitnehmer in Deutschland kritisiert und die Telefon-AU ins Visier genommen. Diese mache es den Menschen zu leicht, von ihrer Arbeit fernzubleiben.
Behauptung längst widerlegt
Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) stimmte Merz daraufhin zu und forderte öffentlich die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.
Den Arbeitgeberverbänden ist die Telefon-AU schon lange ein Dorn im Auge. Immer wieder werde “faktenfrei Stimmung” gegen die Telefon-AU gemacht, so der Hausärztinnen- und Hausärzteverband.
Dabei sei bereits mehrfach belegt, dass die Zahl der Krankschreibungen durch die Telefon-AU nicht steigen würde. Auch die Krankenkassen teilten diese Meinung.
So hatte eine Studie der DAK von Anfang 2025 beispielsweise ergeben, dass Treiber für zusätzliche Fehltage unter anderem Atemwegserkrankungen seien. Bei der telefonischen Krankschreibung sah die DAK-Studie hingegen “keinerlei Anzeichen für einen systematischen Missbrauch”.
Interessen der Hausärztinnen und Hausärzte missachtet
Dass nun Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV die Abschaffung der Telefon-AU fordert, sei ein unglaublicher Vorgang, der nicht akzeptabel sei.
“Er fällt damit uns Ärztinnen und Ärzten in den Rücken, die er eigentlich vertreten sollte und die ihn bezahlen! Stattdessen sorgt er dafür, dass eine der ganz wenigen erfolgreichen Entbürokratisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre wieder zurückgenommen wird”, so der Verband.
Kommerziellen Anbietern einen Riegel vorschieben
Von der CSU jüngst geforderte Korrekturen bei der Telefon-AU begrüßt der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hingegen ausdrücklich. CSU-Chef Markus Söder hatte gemeint: “Das Blaumachen muss reduziert werden.” Im Koalitionsvertrag von Union und SPD sei nicht von Abschaffung, sondern von Korrekturen die Rede: “Die telefonische Krankschreibung werden wir so verändern, dass Missbrauch zukünftig ausgeschlossen ist (zum Beispiel Ausschluss der Online-Krankschreibung durch private Online-Plattformen).”
“Die CSU hat vollkommen Recht mit ihrem Vorstoß!”, erklärt der Hausärztinnen- und Hausärzteverband, und meint weiter: “Es kann nicht sein, dass auf der einen Seite darüber diskutiert wird, ob Hausärztinnen und Hausärzte in Zukunft noch ihre eigenen Patientinnen und Patienten, die sie kennen und seit Jahren versorgen, für wenige Tage telefonisch krankschreiben dürfen und auf der anderen Seite dubiose Anbieter mit wahllosen Attesten Kasse machen. Während sich Hausarztpraxen an klare Regeln halten, wird es kommerziellen Anbietern ermöglicht, schnelles Geld mit Pseudo-Attesten zu machen. Damit muss Schluss sein.”
red mit Material von dpa
