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KongressberichtSchlaf besser verstehen

Schlafforschung und Schlafmedizin liefern grundlegende Erkenntnisse, die in viele andere medizinische Fachbereiche hineinspielen. Zumal qualitativ guter Schlaf die wesentliche Basis unserer Gesundheit ist. So firmierte die 33. Jahrestagung der DGSM unter dem Motto "Kleine Wahrnehmungen – große Welle".

Wie genau sich die Zeitumstellung auf Gesundheit und Schlaf auswirkt, ist nach wie vor Gegenstand der Forschung.

 

“Kleine Wahrnehmungen – große Welle” – hinter diesem Motto verbirgt sich, dass bereits minimale Veränderungen große Auswirkungen haben können. Kleinste Durchblutungsstörungen im Hirnstamm können beispielsweise zu Atmungsstörungen im Schlaf oder selbst geringfügige Ungleichgewichte im Zusammenspiel der Neurotransmitter zu Insomnien und Hypersomnien führen.

Zeitumstellung unter der wissenschaftlichen Lupe

Alljährlich steht die zweimalige Umstellung der Uhren in der Kritik. Doch wie genau sich diese auf Gesundheit und Schlaf auswirkt, ist nach wie vor Gegenstand einer Reihe von aktuellen Forschungen. Die derzeit umfassendste systematische Analyse lieferte kürzlich differenzierte Hinweise aus epidemiologischer und chronobiologischer Sicht [1].

Prof. Dr. Thomas C. Erren, MPH, Direktor am Institut und Poliklinik für Arbeitsmedizin, Umweltmedizin und Präventionsforschung der Universität zu Köln, hat dazu mit seinem Team 149 epidemiologische Originalstudien in 36 Ländern ausgewertet. Das Kernergebnis ist: “Es werden sowohl negative als auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit beobachtet”.

So zeigte sich beispielsweise, dass die Umstellung auf Sommerzeit das Risiko tödlicher Verkehrsunfälle erhöhen, die Zahl der Straftaten mit Körperverletzung indessen verringern kann. Im Gegensatz dazu geht die Umstellung auf Winterzeit mit einem Rückgang der tödlichen Verkehrsunfälle und der Arbeitsunfälle einher, aber auch mit einem Anstieg der Straftaten mit Körperverletzung. Zudem reduziert sich die Gesamtsterblichkeit.

“Insgesamt ist das Leben mit Sommer- und Winterzeit mit einer Verringerung der Gesamtsterblichkeit verbunden”, so Prof. Erren. Allerdings kam eine andere Studie zu dem Schluss, dass die Zeitumstellungen das Risiko für einen Myokardinfarkt erhöhen können [2].

Nach den Worten des Kölner Wissenschaftlers könnten die negativen Folgen des Zeitumstellungsüberganges im Frühling durch Strategien zum Schutz von Personen mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkte, zur Verringerung von Verkehrsunfällen und zur Verhinderung von Straftaten gemildert werden.

Deutlich brisanter sind die Resultate einer noch unveröffentlichten Untersuchung zu den Effekten der Zeitumstellungen auf die biologische Tagesrhythmik. “Sie bestätigen die Warnungen vieler Schlafgesellschaften inklusive die der DGSM vor negativen Folgen der Sommerzeit auf den Schlaf weiter”, so die Studienleiterin Dr. Eva Winnebeck, Assistenz-Professorin an der Universität von Surrey, Großbritannien.

“Es ist schon lange bekannt, dass das Wann und Wie unseres Schlafes stark von unserer biologischen Tagesrhythmik gesteuert wird, die wiederum von der täglichen Lichtexposition beeinflusst wird. Und die Sommerzeitregelung greift in dieses tägliche Lichtsignal empfindlich ein.” So verlagern sich während der Sommerzeit die Schul- und Arbeitszeiten um eine Stunde nach vorne – das bedeutet für die meisten, eine Stunde früher aufstehen zu müssen.

Dies reduziert für viele vor allem am Anfang und Ende der Sommerzeit, also im Frühjahr und Herbst, die Tageslichtverfügbarkeit am Morgen und macht damit früheres Aufstehen schwieriger. “Für die Schlafqualität und chronobiologische Gesundheit würde sich die Abschaffung der Zeitumstellungen positiv auswirken”, lautet das Fazit von Dr. Winnebeck.

KI hält Einzug in die Schlafmedizin

Apps auf Rezept sind inzwischen fest im medizinischen Alltag etabliert. Schließlich können mit dem DiGA-Fast-Track seit 2020 hierzulande geprüfte digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) ärztlich verschrieben werden. Davon können neben vielen anderen Erkrankten auch Menschen mit Schlafstörungen profitieren.

Nun ist die Künstliche Intelligenz (KI) mit ins Spiel gekommen, und zwar direkt in den Kern der Medizin-Apps. Das könnte potenziell einiges an Risiken bergen. Das neue europäische Gesetz zur Künstlichen Intelligenz, der EU AI Act, soll diese minimieren. Er ist ab 2025 schrittweise in Kraft getreten und bringt strengere Regeln mit sich, gerade für Medizin-Apps mit KI-Kern.

Während der DiGA-Fast-Track die Versorgung vorantreibt, sorgt der EU AI Act laut Dr. Sarah Dietz-Terjung vom Zentrum für Interdisziplinäre Telemedizin und TeleCare der Universitätsmedizin Essen für ein stabiles Fundament vertrauenswürdiger KI. Konkret: “Eine App, die mithilfe von Algorithmen Krankheitsverschlechterungen vorhersagt, muss künftig nicht nur ihren Nutzen für Patienten belegen, sondern auch zeigen, dass ihre KI robust, nachvollziehbar und frei von systematischen Verzerrungen funktioniert”.

Dafür, dass dies gewährleistet ist, sorgt unter anderem Philip Zaschke, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für medizinische Informatik der Universitätsmedizin Göttingen.

Das Potenzial von KI für entscheidungsunterstützende Aufgaben wie etwa dem Finden der passenden Therapie für eine obstruktive Schlafapnoe ist nach seinen Worten unbestritten. Allerdings: “Die Prüfbarkeit muss gesichert sein und Voraussetzung dafür ist, dass man weiß, welche Prozesse dahinter ablaufen. Das darf keine Black Box sein, sondern eine KI-Entscheidung muss in jedem Schritt erklärt und nachvollzogen werden können”, so Zaschke. Dies sei elementar wichtig für die Zulassung von Medizinprodukten wie eben auch DiGAs, die in der Versorgung eingesetzt werden.

Quellen:

Vorträge im Rahmen der 33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM) in Hannover.

Literatur:

1. Daylight-Saving Time & Health: A Systematic Review of Beneficial & Adverse Effects

2. Zeitumstellungen und Herzinfarktrisiko – Systematisches Review und Metaanalyse

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